Liebe Freunde der italienischen Literatur, diese Woche entführen wir Sie in die opulente Welt des Barock! Wir stellen Ihnen ein Werk vor, das in seiner Pracht und sprachlichen Virtuosität bis heute seinesgleichen sucht: L’Adone von Giambattista Marino. Vergessen Sie alles, was Sie über klassische Epen zu wissen glauben, und tauchen Sie ein in ein Labyrinth aus Sinnlichkeit, Mythos und reiner Poesie. Ein Leseerlebnis, das überwältigt und fasziniert.
L’Adone
Giambattista Marino (1569–1625)
Erstausgabe: 1623
Worum geht es?
Im Herzen dieses monumentalen Gedichts steht die berühmte mythologische Liebesgeschichte zwischen der Göttin Venus und dem bildschönen Jüngling Adonis. Nachdem Venus sich versehentlich mit einem von Amors Pfeilen verletzt, verliebt sie sich unsterblich in Adonis. Sie entführt ihn auf die Insel Zypern in ihren „Garten der Lüste”, einen Ort von überirdischer Schönheit und sinnlichen Freuden. Doch das Werk ist weit mehr als eine lineare Erzählung. Marino nutzt die zentrale Handlung als Gerüst für unzählige Exkurse in die Welt der Mythen, der Künste und Wissenschaften, und schafft so ein enzyklopädisches Panorama seines Zeitalters. Die Idylle wird durch die Eifersucht des Kriegsgottes Mars bedroht, was die Geschichte auf eine dramatische Wendung zusteuern lässt.
Über den Autor
Giambattista Marino (1569–1525) war der unbestrittene literarische Superstar seiner Zeit und die prägende Figur des italienischen Barock. Sein Stil, der als „Marinismo” in die Literaturgeschichte einging, war auf den Effekt des Staunens – der „maraviglia” – ausgelegt. Mit kühnen Metaphern, virtuosen Wortspielen und einer überwältigenden Bilderflut wollte er seine Leser verblüffen und unterhalten. Sein Leben war nicht weniger abenteuerlich als seine Dichtung; es führte ihn von seiner Heimat Neapel an die glanzvollsten Höfe Italiens und schließlich nach Paris, wo er unter dem Schutz von Maria de’ Medici sein Hauptwerk L’Adone veröffentlichen konnte. Er verstand die Poesie als ein Fest für die Sinne und die Intelligenz.
Stil & Sprache
Marinos Stil ist die reinste Verkörperung des Barock: opulent, kunstvoll und exzessiv. Er liebt lange, verschachtelte Sätze, die sich wie Girlanden um seine Motive winden. Seine Sprache ist ein Feuerwerk aus Metaphern, Vergleichen und klanglichen Effekten, die weniger eine Geschichte erzählen als vielmehr ein prachtvolles Gemälde malen wollen. Die Lektüre von L’Adone ist kein schneller Sprint, sondern ein langsames Schlendern durch einen kunstvollen Garten der Worte, in dem es an jeder Ecke etwas Neues zu entdecken und zu bestaunen gibt.
Warum lesen?
Wer L’Adone liest, taucht kopfüber in das Lebensgefühl des italienischen Barock ein. Es ist ein Buch für alle, die sich an der Sprache selbst berauschen können und die Literatur nicht nur als Handlung, sondern als ästhetisches Erlebnis begreifen. Hier entdecken Sie eine Form von „Italianità”, die nicht von ländlicher Einfachheit, sondern von höfischer Eleganz, intellektueller Verspieltheit und einer tiefen Liebe zur Schönheit in all ihren Formen geprägt ist. Ein Muss für alle, die die Extreme und den Reichtum der italienischen Literaturgeschichte erkunden wollen.
Lese-Tipp
Das Original ist selbst für geübte Italienischleser eine Herausforderung. Für deutschsprachige Leser gibt es aber eine wunderbare Tür in diese Welt: die preisgekrönte Übersetzung von Hanno Helbling, die 2002 in der Manesse Bibliothek der Weltliteratur erschienen ist. Sie fängt den Glanz und die Musikalität des Originals meisterhaft ein und macht dieses faszinierende Monumentalwerk auch für uns zugänglich.
In unserer wöchentlichen Rubrik Italienisches Buch der Woche stellt Ihnen die Redaktion von Italien News ausgewählte Werke der italienischen Literatur vor – Klassiker, Geheimtipps und moderne Stimmen. Tauchen Sie ein in Geschichten, die das Herz und den Geist Italiens widerspiegeln. Perfekt für den nächsten Urlaub, eine ruhige Lesestunde oder einfach zum Träumen. Buona lettura!



















