Die Masche der Bande war immer dieselbe. Ein Anrufer gab sich als Carabiniere oder Postbeamter aus und tischte eine Schockgeschichte auf: Ein naher Angehöriger – meist ein Kind oder Enkel – sei nach einem angeblichen Verkehrsunfall festgenommen worden. Um ihn auszulösen, sei eine sofortige „Kaution“ in Form von Bargeld oder Schmuck nötig. Kurz darauf erschien ein Komplize an der Haustür der verängstigten Opfer, um das Geld und die Wertsachen abzuholen.
Gesteuert wurden die Taten aus einer konspirativen Telefonzentrale im historischen Zentrum von Neapel. Von hier aus wählten die Drahtzieher ihre Opfer gezielt aus und dirigierten die Abholer, die sie mit Autos und Handys ausstatteten. Die Anrufer setzten die älteren Menschen massiv unter Druck und drohten mit schweren rechtlichen Konsequenzen, um sie zur Zahlung zu bewegen. Als Erfolgsbeweis mussten die Abholer sogar Videos von der Beute an ihre Chefs schicken.
Auf die Spur der Bande kamen die Ermittler nach der Festnahme zweier Personen im Juni 2022 in Guidonia Montecelio. Die Auswertung ihrer Handys führte die Carabinieri schließlich zum landesweit agierenden Netzwerk. Bei der Razzia in der Telefonzentrale überraschten die Beamten die Täter auf frischer Tat bei Dutzenden neuer Betrugsversuche. Einige versuchten noch, Beweismaterial wie Telefonlisten und Notizen zu verbrennen. Insgesamt werden der Gruppe 116 vollendete Betrugsfälle mit einem Gesamtschaden von über 500.000 Euro zur Last gelegt.




















