Rom – Eine Ankündigung von Ryanair-Chef Michael O’Leary hat in Italien einen Sturm der Entrüstung bei Verbraucherverbänden ausgelöst. Die irische Billigfluglinie plant, die Prämien für ihr Bodenpersonal deutlich zu erhöhen, wenn dieses vor dem Boarding zu großes Handgepäck von Passagieren identifiziert. Die Entscheidung wird als Angriff auf die Rechte der Reisenden gewertet und schürt ein Klima des Misstrauens.
Die Kritik entzündet sich an den Details des neuen Anreizsystems, das laut O’Leary voraussichtlich zum Start des Winterflugplans im November in Kraft treten soll.
CEO O’Leary verteidigt das „Kopfgeld“-System
Ryanair-Chef Michael O’Leary verteidigte die Maßnahme auf einer Pressekonferenz ohne Umschweife: „Ich entschuldige mich dafür keineswegs.“ Konkret wird der Bonus für jeden entdeckten, nicht konformen Koffer von 1,50 Euro auf 2,50 Euro angehoben. Zudem soll die bisherige Obergrenze von 80 Euro pro Monat für diese Prämien komplett entfallen. „Ich möchte, dass unser Bodenpersonal diejenigen stoppt, die das System umgehen“, so O’Leary. Für Passagiere kann das teuer werden: Wer mit zu großem Handgepäck erwischt wird, muss eine Strafgebühr von bis zu 75 Euro zahlen und der Koffer wird im Frachtraum verstaut.
Verbraucherschützer: „Mitarbeiter werden zu Sheriffs“
Die italienischen Verbraucherverbände Assoutenti und Codacons reagierten schockiert. Gabriele Melluso, Präsident von Assoutenti, nannte die Entscheidung „in Form und Inhalt zutiefst falsch“. Sie verwandle das Personal in „Sheriffs“ und mache die Kontrolle zu einer „Passagierjagd“, die zu schikanösem Verhalten führen könne. Stattdessen sei ein Verhältnis der Zusammenarbeit und des Respekts nötig.
Codacons sprach von einem „eklatanten Eigentor“ für das Image von Ryanair, das das Vertrauen der Kunden weiter untergrabe. „Es fehlt nur noch eine Kopfprämie für Passagiere, deren Gepäck die Maße um wenige Millimeter überschreitet“, so der Verband ironisch. Codacons kündigte an, die Rechtmäßigkeit der Praktik bei den zuständigen Behörden prüfen zu lassen und fordert Reisende auf, jeden Missbrauch zu melden.




















