Chiavari – Es ist ein Tag, auf den die Angehörigen fast 30 Jahre lang warten mussten. Am 15. Januar 2026 sprach das Schwurgericht unter dem Vorsitz von Richter Massimo Cusatti das Urteil in einem der hartnäckigsten Kriminalfälle Italiens. Annalucia Cecere wurde wegen des Mordes an der damals 24-jährigen Nada Cella zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich lebenslange Haft gefordert, doch das Gericht erkannte zwar das Erschwerungsmerkmal der „niedrigen Beweggründe“ an, sah jedoch von der Einstufung als „Grausamkeit“ ab.
Das Motiv: Eifersucht und beruflicher Ehrgeiz
Das Verbrechen geschah am 6. Mai 1996 im Büro des Steuerberaters Marco Soracco in Chiavari. Nada Cella wurde dort grausam erschlagen aufgefunden. Laut der Rekonstruktion der Staatsanwältin Gabriella Dotto war das Motiv ein Mix aus krankhafter Eifersucht und beruflichem Neid. Cecere, die in Soracco verliebt war, sah in der tüchtigen Sekretärin Nada eine Rivalin – sowohl im Herzen des Steuerberaters als auch in Bezug auf die prestigeträchtige Stelle im Büro, die sie selbst einnehmen wollte.
Besonders brisant: Marco Soracco, Nadas damaliger Chef, wurde nun ebenfalls verurteilt. Das Gericht verhängte gegen ihn eine zweijährige Haftstrafe wegen Begünstigung. Ihm wird vorgeworfen, die mutmaßliche Mörderin über Jahrzehnte gedeckt und die Ermittlungen durch Falschaussagen behindert zu haben. Während Cecere bei der Urteilsverkündung nicht im Saal war, nahm Soracco den Schuldspruch schweigend entgegen.
Die späte Wende in einem fast vergessenen Cold Case
Dass der Mordfall Nada Cella überhaupt wieder vor Gericht landete, ist der beharrlichen Arbeit einer Kriminologin und der Anwältin der Familie zu verdanken. Im Jahr 2021 wurden die alten Akten neu bewertet, wobei Details ans Licht kamen, die bereits 1996 hätten zur Klärung führen können. So waren damals bei einer Durchsuchung im Haus von Cecere Knöpfe gefunden worden, die exakt jenen entsprachen, die unter der Leiche der Ermordeten lagen. Dennoch wurde das Verfahren gegen die Frau damals nach nur fünf Tagen eingestellt.
Für die über 80-jährige Mutter von Nada Cella, Silvana Smaniotto, ist das Urteil ein Moment der Erlösung. „Wir haben es geschafft“, waren ihre ersten Worte, als sie die Nachricht erhielt. Auch wenn Nada nicht mehr zurückkehre, sei die Gerechtigkeit nun endlich eingekehrt. Die Verteidigung von Annalucia Cecere hat bereits angekündigt, in Berufung zu gehen, da sie die Beweislage nach so langer Zeit für nicht ausreichend hält.




















