Landesweiter Schlag gegen die ’Ndrangheta
Reggio Calabria – Mit einer Großrazzia in weiten Teilen Italiens haben die Carabinieri am Mittwochmorgen einen Drogenring der kalabrischen ’Ndrangheta zerschlagen. Mehr als 200 Beamte vollstreckten 35 Haftbefehle in der Provinz Reggio Calabria sowie in zehn weiteren Provinzen von Sizilien bis Norditalien, darunter Mailand und Turin. Den Beschuldigten werden unter anderem Drogenhandel mit mafiöser Begünstigung, Waffenbesitz und versuchte Entführung zur Last gelegt.
Geschäfte aus der Gefängniszelle organisiert
Die Ermittlungen der Antimafia-Direktion von Reggio Calabria enthüllten eine ausgeklügelte Organisation, die dem mächtigen Alvaro-Clan zugerechnet wird. Ein entscheidender Durchbruch gelang durch die Auswertung verschlüsselter Chats auf der Plattform „SKY ECC“. Daraus ging hervor, dass zwei inhaftierte führende Mitglieder den Drogenhandel zwischen 2020 und 2021 direkt aus ihrer gemeinsamen Gefängniszelle gesteuert haben sollen. Ihre Anweisungen wurden von engen Verwandten in Freiheit ausgeführt.
Der Drogenring soll den Import großer Mengen Kokain aus Südamerika über den Hafen von Gioia Tauro organisiert haben. Dabei halfen den Ermittlern zufolge korrupte Hafenarbeiter, die Drogen aus dem Hafengelände zu schleusen. Insgesamt konnten die Fahnder Handelsgeschäfte mit über 300 Kilogramm Kokain nachvollziehen. Spätere Ermittlungen bis Juli 2024 zeigten, dass die Organisation weiterhin voll aktiv war. Die Führung hatte inzwischen der Sohn eines der inhaftierten Bosse übernommen.
Die Gruppe war offenbar auch äußerst gewalttätig. So sollen die Mitglieder die Entführung eines Käufers aus Palermo geplant haben, der Schulden nicht beglichen hatte. Die Tat konnte durch die Ermittlungsarbeit verhindert werden. Alle Beschuldigten gelten bis zu einem rechtskräftigen Urteil als unschuldig.




















