Nach Streit auf der Landstraße: Autofahrer rammt Radfahrergruppe zweimal
Vier Verletzte im Piemont – gegen den 73-jährigen Fahrer wird wegen versuchten Mordes ermittelt
Lanzo Torinese – Ein Autofahrer hat im Piemont nach einem Wortwechsel gezielt eine Gruppe von Radfahrern gerammt, ist gewendet und ein zweites Mal in die Sportler gefahren. Vier Menschen wurden verletzt, zwei davon schwer. Der 73-Jährige steht unter dringendem Tatverdacht des versuchten Mordes und befindet sich in Hausarrest.
Die Gruppe war am Samstagmorgen gegen 9.45 Uhr in den Tälern von Lanzo unterwegs, einer bei Rennradfahrern beliebten Region nordwestlich von Turin. Kurz vor der Brücke nach Coassolo überholte ein Fiat die sechs Männer hupend und eng. Einer der Radfahrer hob den Arm, um seinen Unmut zu zeigen. Was dann geschah, beschäftigt seither die italienische Öffentlichkeit: Der Fahrer stoppte, legte den Rückwärtsgang ein und beschleunigte in die Gruppe. Anschließend fuhr er weg, drehte um und traf die Radfahrer erneut.
Zwei Schwerverletzte, Prognosen von 60 und 90 Tagen
Ein Radfahrer wurde nach Angaben eines Beteiligten rund 30 Meter weit geschleudert, ein anderer prallte gegen ein Eisengitter. Zwei Schwerverletzte im Alter von 60 und 68 Jahren kamen per Hubschrauber in das Traumazentrum CTO in Turin. Der Jüngere erlitt einen Oberschenkelbruch, einen offenen Unterschenkelbruch sowie Gesichts- und Brustkorbverletzungen, die Ärzte veranschlagen rund 90 Tage Heilungsdauer. Beim 68-Jährigen sind es nach schweren Schulter- und Beckenverletzungen etwa 60 Tage. Zwei weitere Verletzte wurden in das Krankenhaus San Giovanni Bosco gebracht. Die Radfahrer stammen aus Settimo Torinese, San Mauro und San Raffaele Cimena.
Der Fahrer, ein pensionierter Bauunternehmer aus der Gegend, stellte sich wenig später selbst bei den Carabinieri. Alkohol- und Drogenschnelltests fielen negativ aus, ein ausführliches toxikologisches Gutachten steht aus. Die Staatsanwaltschaft Ivrea ordnete Hausarrest an, bis ein Richter die Maßnahme bestätigt. Der Tatvorwurf lautet auf versuchten Mord in mehreren Fällen – juristisch ein deutlich schwererer Vorwurf als der sonst übliche Straftatbestand der fahrlässigen Körperverletzung im Straßenverkehr.
Eine Debatte, die Italien seit Jahren führt
Der Fall trifft ein Land, in dem der Umgang mit Radfahrern seit Langem für Streit sorgt. Zwar sank die Zahl der Verkehrstoten 2025 auf 2.868 und damit um 5,3 Prozent, doch unter Radfahrern, Pedelec- und Rollerfahrern stiegen die Opferzahlen gegen den Trend. Der frühere Radsport-Nationaltrainer Davide Cassani reagierte fassungslos auf den Vorfall. Er verlangt seit Jahren einen kulturellen Wandel auf Italiens Straßen und wurde nach eigenen Angaben selbst zweimal angefahren; wer heute Rad fahre, müsse sich eine Art Selbstverteidigung antrainieren.
Aus dem Umland wurden nach dem Vorfall weitere Fälle gemeldet, bei denen Radsportler bedrängt worden sein sollen. Ob es sich in Lanzo um eine spontane Eskalation handelte, müssen die Ermittlungen zeigen.




















