Kokain per GPS-Boje: Schlag gegen Drogen-Kartell
Rom – Den Carabinieri ist ein empfindlicher Schlag gegen einen transnationalen Drogenring gelungen. Bei einem Großeinsatz am frühen Dienstagmorgen in den Provinzen Rom, L’Aquila, Reggio Calabria und Catania wurden acht Haftbefehle vollstreckt. Gegen drei weitere Personen wird ermittelt. Die Gruppe steht im Verdacht, im großen Stil Kokain aus Südamerika importiert und in Italien vertrieben zu haben.
Von GPS-Bojen und Krypto-Währung
Die monatelangen Ermittlungen unter Leitung der Anti-Mafia-Direktion in Rom zeichnen das Bild einer hochprofessionellen Organisation. Das Kartell soll seine Geschäfte von der Hauptstadt und der Küste Lazios aus gesteuert haben, mit besten Verbindungen nach Kalabrien und Kampanien. Die Rollen waren klar verteilt: Ein dominikanischer Broker pflegte die Kontakte zu den Lieferanten, ein Kolumbianer mit dem Spitznamen „Der Präsident“ leitete das operative Geschäft, und ein römischer Händler verteilte die Ware in Mittelitalien. Ein Mann aus Kalabrien war für Fahrzeuge mit raffinierten, mechanisierten Verstecken zuständig.
Die Logistik des Drogenrings war ausgeklügelt. Das Kokain gelangte auf zwei Wegen nach Italien: Entweder über Land aus Spanien in umgebauten Autos oder per Schiff direkt aus Südamerika. Dabei wurden Drogenpakete an vorab per GPS festgelegten Punkten ins Meer geworfen und später von Komplizen geborgen. Für kleinere Lieferungen setzte das Kartell auch auf „Bodypacker“, die Kokainkapseln schluckten.
Die Gruppe agierte wie ein Unternehmen. In abgehörten Gesprächen diskutierten die Mitglieder über Marktpreise und Gewinnspannen, die sie als „Punkte“ bezeichneten. Gekauft wurde das Kilo Kokain für rund 16.000 Euro, verkauft für bis zu 24.000 Euro. Für die Droge selbst nutzten sie Tarnnamen wie „Schneewittchen“ oder „Rosalba“. Um Geldflüsse zu verschleiern, wickelte die Organisation Zahlungen systematisch über Kryptowährungen ab.
Die Ermittler stießen auch auf Verbindungen zur berüchtigten „Los Choneros“-Bande aus Ecuador. Die Gewaltbereitschaft des Kartells war hoch: Um Schulden einzutreiben, planten die Mitglieder Entführungen und schreckten auch vor dem Einsatz von Baseballschlägern und Schusswaffen nicht zurück.
Den entscheidenden Erfolg verbuchten die Carabinieri mit der Entdeckung eines Drogenlabors in Sant’Agata del Bianco (Reggio Calabria). Dort stellten die Beamten über 500 Kilogramm Streckmittel sowie Pressen und Öfen sicher, mit denen der Profit maximiert werden sollte. Für alle Beschuldigten gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung.




















