Hitze legt den Sommerski am Stilfser Joch lahm
Der Gletscherbetrieb ruht seit Ferragosto – die Seilbahnen fahren weiter
Stilfser Joch – Auf einer der letzten Pisten, auf denen in Italien im Hochsommer noch Ski gefahren wird, steht der Betrieb still. Die Liftgesellschaft Sifas hat den Sommerskilauf auf dem Gletscher am Stilfser Joch am 15. August ausgesetzt, ausgerechnet am Ferragosto-Wochenende. Ein Datum für die Wiederaufnahme gibt es nicht.
Ausschlaggebend sind nach Angaben des Betreibers anhaltende Hitze, ausbleibende nächtliche Rückfrostung und häufige Gewitter. Auf der Passhöhe in 2.758 Metern kletterte das Thermometer tagsüber auf rund 16 Grad, nachts sank es nicht unter neun Grad. Der Schnee verfestigt sich unter solchen Bedingungen nicht mehr. Die gewohnten Qualitäts- und vor allem Sicherheitsstandards ließen sich so nicht garantieren, hieß es zur Begründung. Die Lage werde laufend beobachtet, eine Wiederaufnahme über die offiziellen Kanäle angekündigt.
Die Seilbahnen laufen weiter. Wanderer, Rennradfahrer und Tagesgäste gelangen also nach wie vor auf den Gletscher, nur Skifahren ist bis auf Weiteres nicht möglich. Die Saison hatte am 30. Mai begonnen und sollte planmäßig bis zum 1. November dauern. Derzeit trainieren am Pass vor allem Nachwuchsmannschaften; Kaderathletinnen und -athleten der obersten Ebene sind zurzeit nicht vor Ort. Für die Betriebe an der Passhöhe, deren Sommergeschäft auf Skigruppen, Motorradfahrern und Ausflüglern beruht, fällt damit mitten in der stärksten Woche des Jahres ein Standbein weg.
Das Stilfser Joch galt zuletzt als eines der wenigen verbliebenen Sommerskigebiete der Alpen. Im Schnalstal endete der Sommerbetrieb bereits 2012, weil sich der Gletscher zu weit zurückgezogen hatte. Auf dem Presena am Tonalepass gaben die Betreiber das Skifahren im Sommer ebenfalls auf; dort wird das verbliebene Eis seit Jahren mit hellen Geotextil-Planen abgedeckt, um die Schmelze zu bremsen. Auch am Stilfser Joch musste der Betrieb in den vergangenen Jahren mehrfach vorzeitig unterbrochen werden.
Die Entwicklung fügt sich in das Bild, das die Gletscherforschung seit Jahren zeichnet. Messungen des Comitato Glaciologico Italiano am Fornigletscher in der benachbarten Valfurva ergaben einen Rückzug von rund 400 Metern in weniger als zehn Jahren. Glaziologinnen und Glaziologen halten es für möglich, dass bis 2060 bis zu 80 Prozent der Gletscherfläche in den italienischen Alpen verschwunden sind – mit Folgen für den Wasserhaushalt der Täler. Legambiente dokumentiert diesen Schwund jeden Sommer mit der Karawane der Gletscher, die auch das Ortler- und Adamello-Gebiet regelmäßig ansteuert.
Ob auf dem Gletscher am Stilfser Joch in dieser Saison noch einmal Ski gefahren wird, hängt nun an einem Kälteeinbruch. Bleibt er aus, endet der Sommerskilauf dort in diesem Jahr Mitte August – und damit rund zweieinhalb Monate früher als geplant.




















