Giftmüll, Erpressung und Wucherzinsen: ‚Ndrangheta-Zelle zerschlagen
Verbania – Den Carabinieri ist ein Schlag gegen die organisierte Kriminalität in Norditalien gelungen. In einer großangelegten Aktion am Donnerstagmorgen haben Spezialkräfte acht Haftbefehle gegen mutmaßliche Mitglieder einer ‚Ndrangheta-Zelle vollstreckt. Die Männer sollen in den Provinzen Verbania und Novara ein kriminelles Netzwerk betrieben haben, das auf Erpressung, illegaler Müllentsorgung und Wucher basierte. Einer der Verdächtigen saß bereits wegen einer anderen Straftat in Haft.
Die über zwei Jahre dauernden Ermittlungen unter dem Codenamen „Terre Pulite“ (Saubere Erde) kamen ins Rollen, nachdem Unregelmäßigkeiten bei der Entsorgung von Aushub auf einer Baustelle in Verbania auffielen. Im Zentrum des Netzwerks stand laut den Ermittlern ein 50-jähriger Mann aus Meina (Provinz Novara) mit direkten Verbindungen zu mächtigen kalabrischen Mafia-Clans. Er soll seine Kontakte genutzt haben, um Konflikte mit mafiösen Methoden zu lösen und ein Klima der Einschüchterung zu schaffen.
Ein schmutziges Geschäft mit doppeltem Gewinn
Das Hauptgeschäft der Gruppe war offenbar der illegale Handel mit Abfällen. Auf einem Industriegelände in Paruzzaro (Novara) sollen sie systematisch riesige Mengen Bauschutt und kontaminierten Bodenaushub vergraben haben. Mit gefälschten Papieren täuschten sie eine ordnungsgemäße Entsorgung vor. Schätzungen zufolge wurden so rund 12.000 Tonnen Bauschutt und über 500 Tonnen mit giftigen Kohlenwasserstoffen verseuchte Erde illegal beseitigt.
Das Vorgehen sicherte der Organisation einen doppelten Profit: Zum einen kassierten sie für die Entsorgung, die sie mit einem Rabatt von 40-50% anboten, zum anderen verkauften sie das kontaminierte Material als sauberen Füllstoff weiter. Die Ermittler beziffern den Schaden durch gesparte Entsorgungskosten und hinterzogene Umweltsteuern auf rund 650.000 Euro. Die Gewinne wurden über ein Geflecht aus Strohmann-Firmen und einer Holding in Mailand auf ein Schweizer Konto verschoben.
Die Vorwürfe wiegen schwer. Ein Unternehmer aus Novara soll erpresst worden sein, damit die Gruppe die Kontrolle über seine Firma übernehmen kann. Er wurde den Ermittlungen zufolge sogar gezwungen, die 1,3 Millionen Euro Schulden für die Luxusvilla eines der Hauptverdächtigen zu übernehmen. Einem Gastronomen in Geldnot liehen die Männer 25.000 Euro – und forderten innerhalb von sechs Monaten 30.000 Euro zurück, was einem Wucherzinssatz von 34% entspricht. Bei den Durchsuchungen stellten die rund 80 beteiligten Beamten vier Firmen und das genutzte Grundstück unter Zwangsverwaltung.




















