Imperia/Fano – Die italienischen Staatsbahnen kommen nicht zur Ruhe. Während das Land noch unter dem Eindruck des gewaltsamen Todes eines Zugschaffners am 5. Januar in Bologna steht, erschüttern neue Meldungen über Übergriffe die Öffentlichkeit. Innerhalb weniger Stunden kam es in verschiedenen Regionen des Landes zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen Zugbegleiter teils erhebliche Verletzungen davontrugen.
Blutige Szenen im Intercity nach Mailand
Der erste Vorfall ereignete sich am Dreikönigstag an Bord eines Intercitys, der von Ventimiglia in Richtung Mailand unterwegs war. Auf der Höhe von Imperia versuchte ein Capotreno (Zugbegleiter), schlichtend in eine heftige Auseinandersetzung zwischen Fahrgästen einzugreifen. Der Streit stand offenbar im Zusammenhang mit einem vorangegangenen Raubdelikt. Als der Bahnmitarbeiter versuchte, zwei Tatverdächtige – einen Mann und eine Frau – am Betreten des Zuges zu hindern, eskalierte die Situation.
Im Zuge des Handgemenges wurde der Beamte mit den scharfen Scherben einer zerbrochenen Flasche an der Hand verletzt. Trotz der blutenden Wunde zeigte der Zugbegleiter bemerkenswerte Professionalität und setzte die Fahrt bis Genua fort, wo er sich schließlich in ärztliche Behandlung begab. Die Carabinieri konnten die beiden Verdächtigen kurz darauf ausfindig machen und festnehmen.
Eskalation in Fano und landesweiter Proteststreik
Nur einen Tag später kam es in den Marken zu einer weiteren Attacke. Im Bahnhof von Fano geriet ein Kontrolleur mit einem etwa 20-jährigen Passagier aneinander, der ohne gültigen Fahrschein unterwegs war und sich weigerte, den Zug zu verlassen. Der Streit verlagerte sich in den Türbereich, woraufhin beide Männer während einer Rangelei von den Stufen des Zuges auf den Bahnsteig stürzten. Der Angreifer flüchtete zunächst, kehrte jedoch laut Augenzeugen kurzzeitig zurück, um den Kontrolleur erneut zu attackieren, bevor er endgültig verschwand.
Als direkte Reaktion auf diese Gewaltwelle haben die führenden Gewerkschaften für den heutigen 8. Januar einen achtstündigen Streik ausgerufen. Von 9 bis 17 Uhr ruht in weiten Teilen des Landes der Bahnverkehr. Die Beschäftigten fordern von der Regierung und den Betreibern deutlich verstärkte Sicherheitsmaßnahmen sowohl in den Zügen als auch auf den Bahnhöfen, um Personal und Passagiere wirksam vor Übergriffen zu schützen.




















