Siena – Rund anderthalb Jahre nach dem Tod einer alleinlebenden Seniorin in der Toskana haben die Ermittlungsbehörden einen entscheidenden Durchbruch erzielt. Am Morgen des 5. Februar 2026 wurden zwei italienische Staatsbürgerinnen festgenommen und in Untersuchungshaft überführt. Einer 37-jährigen Frau aus der Provinz Siena sowie einer 25-Jährigen aus der Provinz Vicenza wird vorgeworfen, im August 2024 Franca Genovini in ihrer Wohnung in Castellina in Chianti getötet zu haben. Die Ermittlungen zeichnen das Bild einer Tat, die von langer Hand geplant war und offenbar aus rein wirtschaftlicher Not heraus begangen wurde.
Heimtückischer Plan und Habgier als Motiv
Die Rekonstruktion der Ereignisse offenbart ein erschreckendes Vorgehen. Eine der Verdächtigen steht in einem Verwandtschaftsverhältnis zum Opfer, was das Vertrauen der über 80-jährigen Frau massiv ausgenutzt haben soll. Den Erkenntnissen der Carabinieri zufolge entwendeten die Täterinnen Goldschmuck im Wert von über 6.000 Euro sowie Bargeld und Bankkarten. Um die Herkunft der Beute zu verschleiern, wurden die Wertsachen unmittelbar nach der Tat bei einem Goldankauf in Poggibonsi veräußert. Der Erlös wurde unter den Beteiligten aufgeteilt, während mit einer gestohlenen Karte unberechtigte Abhebungen in der Region Venetien getätigt wurden.
Besonders belastend wirkten die digitalen Spuren auf den beschlagnahmten Mobiltelefonen. Die Auswertung gelöschter Chatverläufe und Suchanfragen zeigte, dass sich die Frauen intensiv mit verschiedenen Tötungsmethoden befasst hatten. In den Wochen vor der Tat suchten sie im Internet nach Informationen über Gifte, das Ersticken mit Kissen sowie die Injektion von Luft oder Bleichmittel. Diese Funde stützen den Vorwurf des vorsätzlichen Mordes und der präzisen gemeinschaftlichen Planung.
Manipulierte Spuren und forensische Beweise
Um von sich abzulenken, versuchten die Beschuldigten laut den Ermittlern, den Verdacht auf unbeteiligte Dritte zu lenken. Eine der Frauen fingierte Drohbriefe und beschuldigte ehemalige Mieter mazedonischer Herkunft. Diese hielten sich zum Tatzeitpunkt jedoch nachweislich im Ausland auf. Zudem wurde ein angeblicher Hackerangriff auf ein Smartphone vorgetäuscht, um belastendes Material zu erklären – eine Strategie, die von den spezialisierten Einheiten der Carabinieri jedoch schnell durchschaut wurde.
Den entscheidenden Beweis lieferte schließlich ein umfassendes medizinisches Gutachten. Obwohl zunächst keine eindeutige natürliche Todesursache feststellbar war, deuteten Einstichstellen am Arm sowie Verletzungen im Gesicht auf Fremdeinwirkung hin. Die Experten kamen zu dem Schluss, dass das Opfer vermutlich mit Beruhigungsmitteln betäubt und anschließend erstickt wurde. Die Anwesenheit der Frauen am Tatort konnte zudem durch Videoüberwachungen und Mobilfunkdaten lückenlos belegt werden. Beide Verdächtige befinden sich nun in Haft, wobei für sie bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt.




















