Melito Porto Salvo – Ein Schlag gegen das organisierte Verbrechen ist den Carabinieri des Provinzkommandos Reggio Calabria in der vergangenen Nacht gelungen. In einer koordinierten Aktion vollstreckten die Beamten einen Haftbefehl gegen einen 78-jährigen Mann aus Montebello Jonico, der dringend verdächtigt wird, einen Bauunternehmer über Jahre hinweg systematisch ausgebeutet zu haben. Dem Zugriff gingen intensive Ermittlungen der Anti-Mafia-Direktion voraus, die ein beklemmendes Bild der lokalen Zustände zeichnen.
Die 6-Prozent-Regel der Mafia
Die Leidensgeschichte des Opfers begann bereits im Jahr 2015. Wie die Ermittler rekonstruierten, forderte der Tatverdächtige von dem Inhaber einer Baufirma eine feste Abgabe auf alle öffentlichen Aufträge, die dieser im Bezirk Melito Porto Salvo ergattern konnte. Der geforderte Tribut war präzise kalkuliert: Sechs Prozent des Auftragswertes musste der Unternehmer abtreten. Insgesamt soll die erpresste Summe über die Jahre rund 30.000 Euro betragen haben.
Doch der finanzielle Hunger des Verdächtigen war damit offenbar nicht gestillt. Die Behörden dokumentierten weitere Erpressungsversuche in einer Gesamthöhe von 114.000 Euro. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, nutzte der 78-Jährige laut Staatsanwaltschaft klassische Methoden der ‚Ndrangheta. Er prahlte mit seiner kriminellen Karriere und seinen Verbindungen in das organisierte Milieu.
Drohungen und Brandanschläge
Der psychische Druck auf den Unternehmer war enorm. Die Ermittler sprechen von einer „erstickenden Auferlegung“, die den Mann an den Rand der Verzweiflung trieb. Der Verdächtige lauerte Arbeitern auf Baustellen auf, störte die Abläufe durch ständige Präsenz und drohte unmissverständlich mit Vergeltungsmaßnahmen. Konkret wurden Brandstiftungen und Sachbeschädigungen in Aussicht gestellt, sollte das Schutzgeld nicht fließen.
Dass dieser Ring der Angst nun durchbrochen wurde, ist der Zivilcourage des Unternehmers zu verdanken. Entgegen dem oft herrschenden Gesetz des Schweigens wandte er sich an die Carabinieri und arbeitete aktiv an der Aufklärung mit. Der Verdächtige wurde nach seiner Festnahme in das Gefängnis von Arghillà gebracht. Bis zu einer endgültigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.




















