Brand und Detonation in einem Rüstungsbetrieb bei Rom
Alle 24 Beschäftigten konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen
Colleferro – Ein Brand mit anschließender Explosion hat am Donnerstagnachmittag das Munitionswerk der früheren Simmel Difesa erschüttert. Der Knall war über weite Teile der Region zu hören, eine dunkle Rauchsäule stand kilometerweit sichtbar über dem Industriegebiet. Verletzte gab es nach Angaben der Einsatzkräfte und des Unternehmens nicht.
Der Alarm ging am Nachmittag ein. Zunächst brach in einem Gebäudeteil ein Feuer aus, kurz darauf folgte die Detonation. Bewohner in Colleferro und im benachbarten Artena berichteten von einem Druckwelleneffekt an Fenstern und Türen; bis in südöstliche Stadtbezirke Roms war der Knall zu vernehmen. Zahlreiche Menschen verließen ihre Wohnungen und liefen auf die Straße.
Automatische Anlage löste die Räumung aus
Im Werk befanden sich zum Zeitpunkt des Vorfalls 24 Beschäftigte – wegen der Ferienzeit deutlich weniger als im Normalbetrieb. Die automatische Brandmelde- und Löschanlage sprang an, das Gelände wurde geräumt, bevor es zur Explosion kam. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden vollzählig und unverletzt angetroffen. Feuerwehr, Carabinieri, Polizei, Rettungsdienst und Zivilschutz waren mit starken Kräften im Einsatz und bekämpften bis in den Abend hinein sowohl den Brand in der Anlage als auch Flammen im umliegenden trockenen Gelände.
Ursache noch offen, Staatsanwaltschaft ermittelt
Betroffen war nach ersten Rekonstruktionen die Abteilung für das Pressen von Treib- und Sprengstoffen. Ob eine Presse den Brand auslöste, ist bislang unbestätigt. Das Unternehmen erklärte, die Ursache werde noch bewertet. Die Staatsanwaltschaft Velletri leitete ein Verfahren ein, mit den Ermittlungen sind die Carabinieri von Colleferro und die Fahndungsabteilung aus Frascati betraut. Der Bürgermeister der Stadt verschaffte sich vor Ort ein Bild und sprach von begrenzten Schäden außerhalb des Werksgeländes. Ein kommunales Krisenzentrum wurde nicht aktiviert.
Standort mit langer Rüstungstradition
Die Anlage liegt im Industriegebiet an der Verbindungsstraße zwischen Colleferro und Artena, rund 50 Kilometer südöstlich von Rom. Sie gehört heute zur Gruppe KNDS und firmiert als KNDS Ammo Italy; unter dem früheren Namen Simmel Difesa ist der Betrieb in der Region weiterhin geläufig. Produziert werden Munition mittleren und großen Kalibers für Heer und Marine, Granaten und Komponenten für Flugkörper sowie Festtreibstoffe für die Raumfahrt. Der Standort ist als Betrieb mit erheblichem Störfallrisiko eingestuft und unterliegt entsprechend strengen Auflagen.
Die Geschichte des Werks kennt bereits einen schweren Unfall: 2007 kam bei einer Explosion auf demselben Areal ein Arbeiter ums Leben, 13 weitere wurden verletzt. Wie stark die Produktion diesmal beeinträchtigt ist, war zunächst nicht abzusehen.




















