Tod bei Polizeieinsatz in Bologna – ein Video erschüttert Italien
Ein 42-Jähriger stirbt in Handschellen am Boden – die Staatsanwaltschaft ermittelt
Bologna – Wenige Minuten Handyaufnahme haben in Italien eine heftige Debatte ausgelöst. In der Via Svevo im Vorstadtviertel Pilastro starb ein 42-jähriger Mann, während ihn Beamte am Boden fixierten. Auf dem Video ist zu hören, wie er wieder und wieder um Hilfe fleht: „Aiuto, basta.“ Kurz darauf verlor er das Bewusstsein und war nicht mehr zu retten.
Bei dem Mann handelt es sich um Abderrahim Fakir, der seit seinem siebten Lebensjahr in Italien lebte. Angehörige beschreiben ihn als harmlosen Menschen mit gesundheitlichen Problemen. Zu dem Einsatz war es gekommen, nachdem Anwohner die Polizei alarmiert hatten, weil der Mann in einem Hofbereich randaliert haben soll. Auch ein Rettungswagen des Notdienstes 118 war vor Ort.
Nach bisherigen Erkenntnissen setzten die Einsatzkräfte Pfefferspray ein und fesselten Fakir mit Kabelbindern an den Handgelenken. Zwei Beamte knieten dabei auf dem am Boden liegenden Mann, ein weiterer half offenbar, die Beine zu halten. In dieser Position erlitt der 42-Jährige einen medizinischen Notfall.
Die Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion angeordnet, um die genaue Todesursache zu klären; die Ermittler der Mobilen Einsatzeinheit und der Digos sind eingeschaltet. Die Questura verweist darauf, dass die Beamten von Bürgern gerufen worden seien und die Aufnahmen der Bodycams zur Verfügung stünden. Auch das Vorgehen des Rettungsdienstes wird überprüft.
Im Viertel Pilastro versammelten sich zahlreiche Menschen zu einer Mahnwache; auf einem Transparent war von einem „Staatsmord“ die Rede. Die Schwester des Toten forderte lediglich Aufklärung: Wahrheit und Gerechtigkeit müsse es geben, ihr Bruder habe nur um Hilfe gerufen.
Der Fall hat umgehend einen politischen Streit entfacht. Vertreter von Lega und Fratelli d’Italia sprechen von einem regulären Einsatz, dessen Ausgang man den Ermittlungen überlassen müsse. Die Opposition dagegen wertet die Bilder als „Agonie in Direktübertragung“ und verlangt lückenlose Aufklärung. Der Tod von Bologna reiht sich damit in eine Reihe umstrittener Einsätze ein, die in Italien die Frage nach Verhältnismäßigkeit und Kontrolle bei polizeilichen Festnahmen neu aufwerfen.




















