Bologna – Um 10.25 Uhr stand die Stadt still. Genau zu jener Minute, in der vor 46 Jahren im Wartesaal zweiter Klasse des Hauptbahnhofs eine Bombe detonierte, hielten Tausende auf dem Vorplatz inne. 85 Menschen starben am 2. August 1980 beim Bahnhofsattentat von Bologna, mehr als 200 wurden verletzt. Es bleibt der schwerste Anschlag in der Geschichte der italienischen Republik. Die Uhr an der Fassade zeigt bis heute jene Uhrzeit.
Der Gedenkzug führte in diesem Jahr erstmals wieder über die Via Indipendenza, nachdem die Bauarbeiten für die neue Straßenbahn abgeschlossen sind. An der Spitze gingen die Angehörigen der Opfer. Staatspräsident Sergio Mattarella schrieb in seiner Botschaft, die Spur der Tat sei in die republikanische Geschichte und in das Gewissen der Italiener eingeschrieben. Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie seien genau jene Werte, die die neofaschistische Terrorstrategie habe zerstören wollen.
Für die Regierung sprach Innen-Staatssekretär Nicola Molteni im Hof des Rathauses. Er nannte den Anschlag ausdrücklich einen Terrorakt neofaschistischer Prägung und ein Datum, das ganz Italien gehöre. Bürgermeister Matteo Lepore bezeichnete den 2. August als wichtigsten Tag in der Geschichte seiner Stadt. Gekommen waren auch Regionspräsident Michele de Pascale und PD-Vorsitzende Elly Schlein; aus dem lokalen Mitte-rechts-Lager ließen sich nur zwei Vertreter blicken.
Bahnhofsattentat Bologna: Was juristisch geklärt ist
Rechtskräftig als Täter verurteilt sind Valerio Fioravanti, Francesca Mambro und Luigi Ciavardini, wegen Beteiligung Gilberto Cavallini und Paolo Bellini. Als Auftraggeber und Geldgeber benennen die Urteile den P2-Großmeister Licio Gelli, den Finanzier Umberto Ortolani, den früheren Präfekten Federico Umberto D’Amato und den Journalisten Mario Tedeschi – alle sind inzwischen gestorben. Wegen Sabotage der Ermittlungen wurden zudem Angehörige des Militärgeheimdienstes verurteilt.
Schärfere Töne kamen vom Verband der Opferangehörigen. Dessen neuer Präsident Paolo Lambertini, seit kurzem Nachfolger des drei Jahrzehnte amtierenden Paolo Bolognesi, griff Justizminister Carlo Nordio an, weil dieser erklärt hatte, den Umsturzplan der Loge P2 nicht zu kennen. Bei der Nennung des Namens gab es Pfiffe. Lambertini beklagte verschwundene Archive, eine aus seiner Sicht enttäuschende Arbeit der Antimafia-Kommission und die weiterhin unvollständige Umsetzung des Opfergesetzes. Am 15. Oktober will die Verteidigung Cavallinis eine neue DNA-Untersuchung an den Überresten des Opfers Maria Fresu durchsetzen – für den Verband der Versuch, eine längst widerlegte Spur wiederzubeleben.




















