Turin – Die Bilder aus der piemontesischen Hauptstadt gleichen Szenen aus einem Bürgerkrieg: Brennende Barrikaden, fliegende Pflastersteine und vermummte Gestalten, die mit erschreckender Brutalität gegen die Staatsgewalt vorgingen. Die Bilanz der schweren Ausschreitungen in Turin, die sich am Samstagabend während eines Protestmarsches der autonomen Szene ereigneten, ist erschütternd. Insgesamt wurden 103 Personen verletzt, darunter 29 Polizeibeamte, die teils schwerwiegende Traumata davontrugen.
Brutale Jagdszenen und gezielte Gewalt
Besonders eine Szene sorgte landesweit für Entsetzen: Ein 29-jähriger Polizist aus Padua wurde von einer Gruppe Vermummter eingekesselt und am Boden liegend mit Tritten, Schlägen und sogar einem Hammer malträtiert. Nur das schnelle Eingreifen seiner Kollegen rettete den jungen Familienvater vor Schlimmerem. Der Beamte wird derzeit im Krankenhaus Molinette behandelt. Verteidigungsminister Guido Crosetto fand deutliche Worte für die Täter: Er bezeichnete sie nicht als Demonstranten, sondern als „Guerillakämpfer“ und „bewaffnete Banden“, deren einziges Ziel die Destabilisierung des Staates sei. Laut Sicherheitsbehörden war der schwarze Block militärisch organisiert – mit Funk-Jammern, Molotowcocktails und sogar Steinschleudern für massive Felsbrocken.
Politische Reaktionen und Rufe nach Konsequenzen
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ließ es sich nicht nehmen, persönlich nach Turin zu reisen. In den Krankenhäusern Molinette und Cto besuchte sie die verletzten Einsatzkräfte und drückte ihre volle Solidarität aus. Meloni forderte die Justiz auf, die Vorfälle ohne Zögern zu bewerten und die bestehenden Gesetze hart anzuwenden. „Wenn wir diejenigen nicht verteidigen können, die uns verteidigen, existiert kein Rechtsstaat“, betonte sie in einer Stellungnahme.
Auch Vizepremier Matteo Salvini reagierte prompt und forderte die sofortige Verabschiedung eines neuen Sicherheitspakets. Dieses sieht unter anderem eine Kautionspflicht für Versammlungsteilnehmer vor, um die Zerstörung von Städten zu sanktionieren. Während die Opposition die Gewalt ebenfalls scharf verurteilte, übte sie gleichzeitig Kritik an der Eskalationsstrategie der Regierung. Der Fall Askatasuna, ein seit Jahrzehnten besetztes Zentrum, bleibt somit ein hochexplosives politisches Thema, das Italien weit über die Grenzen Turins hinaus beschäftigt.





















