Rom – Am gestrigen Karfreitagabend versammelten sich rund 30.000 Gläubige am römischen Kolosseum, um gemeinsam mit Papst Leo XIV. den traditionellen Kreuzweg zu beten. Das von einer großen Kreuz-Illumination erleuchtete Amphitheater bildete die Kulisse für eine feierliche Zeremonie, die ganz im Zeichen des Leids der aktuellen globalen Konflikte stand. Über eine Stunde lang trug das Kirchenoberhaupt das Holzkreuz bei allen 14 Stationen bis zum Palatin persönlich. Symbolisch nahm er damit die Wunden einer von Krieg zerrissenen Welt sowie das Leid weinender Mütter und all jener auf sich, denen die Würde genommen wird.
Eindringliche Friedensappelle und Meditationen
Die Texte für die Meditationen stammten aus der Feder von Pater Francesco Patton, dem ehemaligen Kustos des Heiligen Landes. Die Botschaft war unmissverständlich: Wer Kriege provoziert, wird sich vor Gott verantworten müssen. „Jede Autorität wird sich vor Gott für die Art und Weise verantworten müssen, wie sie die ihr verliehene Macht ausübt“, hieß es in den Texten. Das schließe die Macht ein, Kriege zu beginnen oder zu beenden.
Bereits im Vorfeld hatte sich der Papst diplomatisch eingeschaltet. Am Freitag führte er ein Telefonat mit dem israelischen Präsidenten Isaac Herzog, um ein Ende des Konflikts zu fordern. Auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gab es ein Gespräch. Selenskyj lud den Papst nach Kiew ein und berichtete von intensiven russischen Angriffen, die jede Hoffnung auf eine österliche Waffenruhe zunichtegemacht hätten.
Zeichen der Demut im Petersdom
Bevor der Papst am Abend von Roms Bürgermeister Roberto Gualtieri am Kolosseum empfangen wurde, stand er am Freitagnachmittag der Karfreitagsliturgie im Petersdom vor. Zu Beginn der Feier warf sich Papst Leo XIV. vor dem Altar demütig auf den Boden. Bei der anschließenden Kreuzverehrung näherte er sich barfuß dem Kruzifix und küsste es. Die Predigt hielt der Prediger des Päpstlichen Hauses, Pater Roberto Pasolini. Er beklagte, dass Gottes Name heutzutage sogar angerufen werde, um Gewalt und tödliche Entscheidungen zu rechtfertigen.
Am heutigen Samstag, einem Tag der Stille, bereitet sich der Vatikan auf das höchste Fest der Christenheit vor. Am Abend wird Papst Leo XIV. seine erste Ostervigil im Petersdom leiten.




















