Rom – Der an diesem Dienstag beginnende Nato-Gipfel in Ankara stellt Italien vor eine unbequeme Rechnung. Im Zentrum steht die von den USA vorangetriebene Forderung, die Verteidigungsausgaben der Bündnispartner mittelfristig auf fünf Prozent der Wirtschaftsleistung anzuheben – ein Ziel, das den italienischen Haushalt härter treffen würde als den vieler anderer.
Italien gibt bislang deutlich weniger als zwei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus. Ein Sprung auf fünf Prozent würde zusätzliche Milliardenlasten bedeuten – in einem Land mit hoher Staatsverschuldung und engem finanziellem Spielraum. Regierungschefin Giorgia Meloni brachte im Vorfeld ihre wichtigsten Minister zusammen, um die italienische Verhandlungslinie abzustimmen.
Beim Nato-Gipfel nimmt eine europäische Achse Gestalt an
Beobachter erwarten in Ankara auch eine Verschiebung der Gewichte innerhalb des Bündnisses. Weil sich die europäischen Mitglieder stärker koordinieren und mehr eigene Verantwortung übernehmen wollen, könnte eine faktisch „europäische Nato“ Konturen annehmen – mit dem großen Unsicherheitsfaktor Trump, dessen Kurs schwer kalkulierbar bleibt.
Überschattet wird das Treffen von Protesten in der Türkei. In Ankara und anderen Städten gingen Menschen gegen das Gipfeltreffen auf die Straße; nach Behördenangaben wurden weit über hundert Demonstranten festgenommen. Für Italien geht es in den kommenden zwei Tagen vor allem darum, höhere Ausgabenziele mit den Grenzen des eigenen Haushalts in Einklang zu bringen.



















