Sanremo – Die italienische Riviera wird in dieser Woche zum Nabel der Musikwelt: Das 76. Festival di Sanremo hat mit einem beispiellosen Medienaufgebot begonnen. Insgesamt 1.492 Journalisten, Fotografen und Rundfunkmitarbeiter aus der ganzen Welt bevölkern die Pressezentren „Ariston Roof“ und „Lucio Dalla“, um über das wichtigste Ereignis der italienischen Popkultur zu berichten. Von Argentinien über Deutschland bis nach Australien verfolgen Medienvertreter das Geschehen, das in diesem Jahr ganz im Zeichen der Tradition und des Gedenkens steht.
Ein emotionaler Abschied von Pippo Baudo
Der künstlerische Leiter Carlo Conti, der bereits ankündigte, dass dies seine letzte Ausgabe als Moderator sein wird, widmet das Festival dem im vergangenen August verstorbenen Pippo Baudo. Die Eröffnung am Dienstagabend wird zu einem Gänsehaut-Moment, wenn die markante Original-Signatur und die Stimme Baudos das Publikum im Teatro Ariston begrüßt. Ein leuchtendes Kunstwerk von Marco Lodola am Eingang des Theaters erinnert zusätzlich an die TV-Legende. Während Katia Ricciarelli, die Ex-Frau Baudos, im Vorfeld ein fehlendes offizielles Engagement kritisierte, betonte Conti die tiefe Verbundenheit des gesamten Festivals mit dem Lebenswerk des Altmeisters.
Staraufgebot und politische Debatten
Neben der Musik sorgt der Besuch des türkischen Schauspielers Can Yaman für Aufsehen. Der „Sandokan“-Star, der sich in der Pressekonferenz als Single outete, gestand seine Vorliebe für melancholische italienische Lieder und bewunderte Laura Pausini als musikalisches Vorbild. Auf der Bühne kommt es zudem zu einem historischen Treffen mit Kabir Bedi, dem „Ur-Sandokan“ von 1976.
Abseits des Glanzes musste Conti jedoch auch kritische Fragen zur Absage des Komikers Andrea Pucci beantworten. Der Moderator stellte klar, dass Pucci sich nach öffentlichem Druck selbst gegen einen Auftritt entschieden habe und man niemanden zur Teilnahme zwingen könne. Auch politische Spekulationen um einen Besuch von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni wurden dementiert – sie sei als Privatperson jederzeit willkommen, so Conti trocken.
Für die 30 teilnehmenden Künstler, darunter prominente Namen wie Fedez, Arisa und Patty Pravo, geht es nun um alles. In der ersten Nacht entscheidet ausschließlich die Pressejury über das Ranking, bevor in den Folgetagen auch das Publikum und die Radiojury eingreifen. Eine wichtige Regeländerung sorgt im Finale für Spannung: Im entscheidenden Durchgang der Top 5 hat jeder Zuschauer nur noch eine Stimme statt der bisherigen drei, was die Bedeutung jedes einzelnen Votums massiv erhöht.


















