Bozen – Die Südtiroler Weinlese des Jahres 2026 ist abgeschlossen und die ersten Einschätzungen der Experten fallen positiv aus. Trotz eines herausfordernden Jahres mit extremen Wetterbedingungen erwarten die Winzer fruchtbetonte, frische Weißweine und vielversprechende, gehaltvolle Rotweine. Dies sei vor allem dem Fachwissen und der Anpassungsfähigkeit der Weinbäuerinnen und Weinbauern zu verdanken, die ihre Trauben erfolgreich durch einen sehr heißen und trockenen Sommer brachten.
Das Jahr 2026 begann mit einem ungewöhnlich frühen Vegetationsstart und einer ebenso frühen Vollblüte. Die Sommermonate waren von anhaltender Hitze und Trockenheit geprägt, bis Ende August schließlich ausreichend Regen für die abschließende Reifephase fiel. Die Ernte begann in Südtirol so früh wie nie zuvor, im Burggrafenamt bereits um den 10. August und im Eisacktal am 1. September.
Wie die Winzer auf extreme Bedingungen reagieren
Ivan Giovanett vom Weingut Castelfeder erklärte, dass die Südtiroler Weinbauern aus früheren heißen Jahrgängen gelernt hätten. Sie schützten die Trauben durch zurückhaltendes Entblättern vor zu starker Sonneneinstrahlung und setzten Wasser gezielt ein. Stefan Kapfinger, Kellermeister der Kellerei Meran, wies darauf hin, dass eine dichtere Laubwand im Weinberg für mehr Beschattung sorge, was die direkte Sonneneinstrahlung auf die Trauben reduziere und den Reifeprozess verlangsame. Eine besondere Herausforderung stellte ein massiver Hagelschlag im Eisacktal kurz vor der Ernte dar, der laut Hannes Baumgartner vom Weingut Strasserhof in Neustift bei den betroffenen Bauern zu großen Ernteeinbußen führte.
Die Wahl des optimalen Lesezeitpunkts erforderte in diesem Jahr besondere Flexibilität. Stefan Kapfinger erläuterte, dass heute zunehmend der einzelne Weinberg und seine spezifischen Bedingungen betrachtet würden, um ein ausgewogenes Verhältnis von Zucker, Säure und aromatischer Reife zu erzielen. Lukas Mumelter vom Griesbauerhof in Rentsch bestätigte, dass die Trauben durchweg sehr gesund waren und die heißen Temperaturen geschmacklich gut überstanden hätten. Ivan Giovanett sprach von einem „ausgesprochen erfreulichen Bild“ des Leseguts.
Für die Weißweine des Jahrgangs 2026 werden kräftige, runde und fruchtbetonte Weine erwartet, mit einer besser als erwarteten Säurestruktur. Besonders der Chardonnay zeichne sich als großer Jahrgang ab. Bei den Rotweinen sehen die Experten ebenfalls sehr gute Voraussetzungen für große, komplexe und langlebige Weine. Stefan Kapfinger prognostizierte farbintensivere, breitere und kräftigere Rotweine mit hohem Lagerungspotenzial. Lukas Mumelter rechnet mit gehaltvollen Weinen mit reifen, angenehmen Tanninen, die schnell zugänglich sein werden. Der Blauburgunder zeige sich mit tiefer Farbe und viel Struktur, der Lagrein sei perfekt reif gewesen.




















