Bozen – Wer in Südtirol auf die Einstufung seiner Pflegestufe wartet, braucht derzeit vor allem eines: Geduld. Je nach Bezirk kann es zwischen vier und achteinhalb Monaten dauern, bis ein Team den Pflegebedarf offiziell bewertet und der Weg für das monatliche Pflegegeld frei ist. Angesichts steigender Antragszahlen und des allgemeinen Fachkräftemangels hat die Südtiroler Landesregierung nun ein umfangreiches Maßnahmenpaket geschnürt, um diese langen Wartezeiten drastisch zu reduzieren. „Wir wollen, dass die Menschen die Unterstützung, die ihnen zusteht, zeitnah erhalten“, betonte Landesrätin Rosmarie Pamer bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.
Sofortmaßnahmen sollen Bürokratie abbauen
Der Anstieg der Gesuche ist enorm: Wurden 2020 noch rund 6.500 Anträge gestellt, waren es 2024 bereits über 8.100. Um dem wachsenden Druck kurzfristig zu begegnen, sollen Verwaltungsabläufe optimiert werden. Ein zentraler Punkt ist die Vereinfachung für Menschen mit Demenz: Liegt eine entsprechende Diagnose vor, soll die Zuweisung einer Pflegestufe künftig von Amts wegen erfolgen, was den Prozess erheblich beschleunigt. Zudem sollen die Bereiche Soziales und Gesundheit enger zusammenarbeiten und mehr Räumlichkeiten für die 17 Einstufungsteams in den Bezirken bereitgestellt werden. Ziel dieser Sofortmaßnahmen ist es, den bürokratischen Aufwand für alle Beteiligten spürbar zu senken.
Mehr Personal und neue Systeme für die Zukunft
Mittelfristig plant die Landesregierung, die Personalressourcen aufzustocken, um die Anzahl der durchgeführten Einstufungen zu erhöhen. Langfristig wird sogar eine grundlegende Reform des Bewertungssystems angestrebt. Ein neues, zeitgemäßes Instrument soll die Erhebung des Pflegebedarfs vereinheitlichen und den Verwaltungsaufwand weiter minimieren. Bevor dieser Schritt umgesetzt werden kann, müssen jedoch noch anstehende Gesetzesänderungen auf staatlicher Ebene abgewartet werden, um deren Auswirkungen auf Südtirol zu bewerten. Mit diesem Drei-Stufen-Plan will die Politik sicherstellen, dass die finanzielle Unterstützung von bis zu 1.800 Euro monatlich bei den pflegebedürftigen Menschen wieder rechtzeitig ankommt.




















