Bozen – Der Südtiroler Heimatbund (SHB) hat sich in einer aktuellen Aussendung gegen die Errichtung eines Denkmals für den ehemaligen Südtiroler Landeshauptmann Silvius Magnago ausgesprochen. Stattdessen schlägt die Interessenvereinigung eine Bronzetafel zur Ehrung seines politischen Einsatzes vor.
Nach Ansicht von Roland Lang, Obmann des Südtiroler Heimatbundes, müsse das Handeln Magnagos unterschiedlich und kontrovers beurteilt werden. Zwar habe Magnago das historische Verdienst, durch jahrelange Verhandlungen mit Rom die Grundlagen der heutigen Südtirolautonomie geschaffen zu haben. Doch auf dem Weg zu diesem Ergebnis habe er alle Selbstbestimmungsbestrebungen innerhalb und außerhalb seiner Partei bekämpft und unterdrückt, so Lang. Der SHB erkenne Magnagos Lebenswerk als Zwischenlösung auf dem Weg in die Freiheit an.
Warum kritisiert der Heimatbund Magnago?
Der Heimatbund wirft Magnago vor, Briefe von schwer gefolterten politischen Häftlingen der 1960er-Jahre jahrelang unter Verschluss gehalten zu haben. Diese Briefe, die brutale Folterungen durch die Carabinieri schilderten, seien nicht Magnagos Privateigentum gewesen, sondern Hilfeschreie an die Öffentlichkeit, um die Misshandlungen zu beenden. Laut SHB habe Magnago mitgeholfen, dieses Flehen zu ersticken, und trage Mitschuld an der ungehemmten Fortführung dieser Bestialitäten. Als Beispiele nennt der Heimatbund die Mutter des Pustertaler Freiheitskämpfers Hans Auer und die Frau des inhaftierten Luis Steinegger, die von Magnago abgewiesen worden seien, als sie um Hilfe gegen die Foltermethoden baten.
Sehr spät, am 24. März 1976, habe Magnago auf der SVP-Landesversammlung in Meran das öffentliche Ansehen der Männer und Frauen des Südtiroler Widerstandes wiederhergestellt, indem er erklärte, viele von ihnen hätten „schwere und größte Opfer auf sich genommen im überzeugten Einsatz für unser Volk.“ Er habe zudem betont, dass die Einsetzung der Neunzehnerkommission unter dem Eindruck der damaligen Anschläge erfolgte. Trotz dieser späteren Anerkennung sieht der SHB Magnago als widersprüchlichen Menschen, der auch Härte und Gefühllosigkeit gegenüber Opfern zeigte und Mitschuld an der Fortsetzung der Folter trug.
Der SHB äußert sich in der Aussendung auch zum Laurinsbrunnen auf dem Magnagoplatz. Der Heimatbund spricht der italienischen Rechten ein Kompliment aus, da sie es nach jahrzehntelanger Arbeit geschafft hätten, den Brunnen vom Platz zu entfernen. Der SHB weist jedoch darauf hin, dass die Laurin-Sage, aus der das Denkmal entstand, nichts mit Nationalismus zu tun habe, sondern um einen Brautraub gehe. Alle anderen Interpretationen seien zur Zeit des Faschismus entstanden. Auch der italienische Landesrat Tomasini habe am 17. Januar 2017 in Antwort auf eine Landtagsanfrage erklärt, dass die Statue für niemanden eine Beleidigung sei.




















