Bozen – Manche Menschen stehen noch vor dem Morgengrauen auf, um ihre Geschäfte zu öffnen, andere erziehen junge Menschen, pflegen Bedürftige oder sind in der Landwirtschaft, auf dem Bau oder im Tourismus tätig. Ihnen allen ist der Tag der Arbeit gewidmet. Sie tragen täglich die Gesellschaft und haben laut der Partei Verdi Grüne Vërc ein Anrecht auf Respekt, Rechte und Sicherheit.
Starke Zahlen verdecken strukturelle Schwächen
Die Arbeitsmarktdaten in Südtirol zeichnen auf den ersten Blick ein überaus positives Bild: Im Jahr 2025 erreichte die Beschäftigungsquote 74,7 Prozent, während die Arbeitslosigkeit bei verschwindend geringen 1,8 Prozent lag. Bereits ein Jahr zuvor übertraf die Provinz in der Altersgruppe der 20- bis 64-Jährigen mit einer Quote von 79,9 Prozent den EU-Durchschnitt deutlich. Doch die Grünen warnen davor, sich von dieser Stabilität blenden zu lassen. Im Verhältnis zu den enormen Lebenshaltungskosten seien viele Löhne schlichtweg zu niedrig. Hinzu kommen akute Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche für Angestellte, prekäre Arbeitsverhältnisse in diversen Sektoren und ein zu hoher Druck in Dienstleistung, Tourismus, Bildung, Gesundheitsbereich und Bauwesen. Auch die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen bleibt ein drängendes Problem.
Forderung nach mehr Sicherheit und gerechter Verteilung
Ein weiteres, ernstes Thema ist die Arbeitssicherheit. Allein im Jahr 2025 wurden in der Provinz 13.957 Arbeitsunfälle gemeldet. Hinter diesen Zahlen stehen betroffene Menschen und Familien. Für die Verdi Grüne Vërc ist klar: Die Arbeit der Zukunft muss nicht nur nachhaltig, sondern vor allem sicher und gerecht sein. Dafür brauche es konkrete Investitionen in Prävention, kontinuierliche Weiterbildung, stärkere Arbeitsinspektionen, Lohngleichheit, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie einen würdigen Mindestlohn für jene, die derzeit zurückbleiben.
Luca Bertolini, Co-Sprecher der Partei, bringt die Kernforderung auf den Punkt: „Es reicht nicht, ein Land mit hoher Beschäftigung zu sein, wenn zu viele Menschen für Löhne arbeiten, die kein sorgenfreies Leben ermöglichen, oder unter unsicheren Bedingungen tätig sind.“ Arbeit müsse Würde verleihen und dürfe keine Angst machen. Niemand solle trotz Beschäftigung arm sein. In einer wohlhabenden Provinz wie Südtirol müsse der Wohlstand geteilt werden. Der Erste Mai sei deshalb ein Tag des Gedenkens, aber vor allem ein Tag des Engagements für Gegenwart und Zukunft.




















