Bozen – Künstliche Intelligenz (KI) erweist sich in der modernen Medizin zunehmend als hilfreiches Werkzeug. Eine neue Studie der Kardiologie am Krankenhaus Bozen verdeutlicht, dass KI-basierte Systeme eine schwer erkennbare Form des Herzinfarkts bereits in einer sehr frühen Abklärungsphase aufspüren können, wenn noch nicht alle Untersuchungsresultate vorliegen.
Versteckte Infarkte schneller erkennen
Im Mittelpunkt der Untersuchung stand der sogenannte okklusive Myokardinfarkt (OMI). Bei dieser speziellen Untergruppe des Infarkts löst ein verschlossenes Herzkranzgefäß auf dem ersten EKG nicht immer sofort die klassischen, eindeutig erkennbaren Veränderungen wie etwa eine ST-Streckenhebung aus. In der klinischen Routine werden solche Fälle zwar nicht übersehen – sie werden durch vollständige Diagnostik wie ärztliche Beurteilungen, Verlaufskontrollen, Troponin-Bestimmung und gegebenenfalls Koronarangiographie sicher erkannt und behandelt. Die Studie zeigt jedoch, dass die KI in dieser entscheidenden frühen Phase deutlich rascher einen erhärteten Verdacht liefern kann.
Beeindruckende Trefferquote bei der Erstbeurteilung
An der wissenschaftlichen Untersuchung nahmen 1.490 Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom teil, bei denen im ersten EKG keine ST-Streckenhebung vorlag. Das Ergebnis: Die KI erkannte den okklusiven Myokardinfarkt in 84 Prozent der Fälle korrekt. Mit einer Sensitivität von 77 Prozent und einer Spezifität von 99 Prozent war sie der unmittelbaren Erstbeurteilung des allerersten EKGs durch die aktuelle Standarddefinition überlegen.
Die praktische Bedeutung der Arbeit liegt im Zeitgewinn: Wird ein kritischer Befund früher entdeckt, lassen sich weiterführende Abklärungen und lebensrettende Therapien früher einleiten. Präsentiert wurden die Ergebnisse von Dr. Federico Nani auf einem internationalen Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie in Lissabon, wo sie große Beachtung fanden. Entstanden ist die Studie in der Arbeitsgruppe um Dr. Matthias Unterhuber innerhalb des Kardiologie-Teams am Krankenhaus Bozen unter der Leitung von Primar Dr. Rainer Oberhollenzer. Die Verfasser der Studie betonen ausdrücklich, dass die Künstliche Intelligenz Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen soll, sondern als zusätzliches Instrument zum Nutzen der Patienten dient.




















