BOZEN – Ruhig und in seinem charakteristischen Grün schimmernd fließt der Eisack an diesem Vormittag durch das südliche Stadtgebiet. Doch die friedliche Optik darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie wichtig eine exakte Beobachtung dieses Gewässers für die Sicherheit der gesamten Region ist. Am orografisch linken Ufer, auf der Höhe des Schotterwerks in Bozen-Süd, sorgt eine Pegelmessstation bereits seit über zwei Jahrzehnten für die Erfassung wichtiger Daten. Durch eine umfassende Erweiterung und Modernisierung entspricht diese Anlage nun den neuesten Standards der hydrologischen Forschung.
Was vor 23 Jahren als reine Messstelle für Wasserstand und Temperatur begann, hat sich über die Jahrzehnte zu einem hochkomplexen Überwachungszentrum entwickelt. Bauleiter Stefan Ghetta vom Amt für Hydrologie und Stauanlagen in der Agentur für Bevölkerungsschutz blickt auf eine intensive Bauphase zurück, die vor zwei Jahren begann. Neben der technischen Erneuerung der Station selbst entstand auf der gegenüberliegenden Flussseite ein Infopoint, der die Bürger direkt in das Geschehen einbindet und über die Dynamik des Flusses informiert.
Präzision im Dienste der Sicherheit
Ein zentraler Aspekt der modernen Flussüberwachung ist die Messung des Schwebstofftransports, die an dieser Stelle seit 2017 intensiv betrieben wird. Schwebstoffe sind weit mehr als nur Trübstoffe im Wasser; sie dienen als entscheidender Indikator für den ökologischen Zustand des Gewässers, die Landnutzung im Einzugsgebiet und die Wirksamkeit von Hochwasserschutzmaßnahmen. Während die Konzentration an ruhigen Tagen gering ausfällt, kann sie bei Hochwasserereignissen dramatisch ansteigen. Ein optischer Sensor im Flussbett liefert hierzu kontinuierlich Daten, die durch automatische Wasserproben und Analysen im Landeslabor für Wasseranalysen und Chromatographie präzisiert werden.
Technologischer Fortschritt durch europäische Förderung
Die kontinuierlichen Erweiterungen der vergangenen Jahre führten dazu, dass das ursprüngliche Pegelhaus räumlich an seine Grenzen stieß. Zudem machten notwendige Instandhaltungsarbeiten am Unterbau und der hydrometrischen Seilkrananlage, die für Abflussmessungen unerlässlich ist, eine grundlegende Erneuerung erforderlich. Dank finanzieller Unterstützung aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) konnte die Anlage von Grund auf modernisiert werden. Dies stellt sicher, dass das Hochwassermanagement auch in Zukunft auf verlässlichen Daten basiert und frühzeitig auf Veränderungen reagieren kann.
Ein Ort zum Verweilen und Lernen
Direkt am Radweg auf der orografisch rechten Flussseite lädt ein neuer Infopoint mit Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein. Hier erfahren Interessierte spannende Details über die Geschichte und Bedeutung des Eisacks, der mit seinem Einzugsgebiet die Etsch sogar übertrifft. Historische Karten verdeutlichen zudem, wie der Fluss seit dem 18. Jahrhundert reguliert und sein Zusammenfluss mit der Etsch schrittweise nach Süden verlegt wurde. So verbindet die neue Pegelmessstelle hochmoderne Sicherheitstechnik mit wertvoller Bildungsarbeit für die Bevölkerung und Besucher der Stadt.




















