Turin – Wo sonst der Po durch die Stadt strömt, liegen inzwischen Kiesbänke frei. Der längste Fluss Italiens hat einen Stand erreicht, den die zuständige Beobachtungsstelle als hohe Wasserknappheit einstuft – die zweithöchste von vier Warnstufen. An der Messstation Pontelagoscuro im Delta lag die Wasserführung im Juli bei rund 323 Kubikmetern pro Sekunde und damit über 70 Prozent unter dem üblichen Mittelwert für die Jahreszeit.
Besonders eng wird es im Piemont. Dort fehlen im Einzugsgebiet des Po rund drei Viertel der normalen Wassermenge, der Tanaro steht so niedrig wie seit der Dürrekrise 2022 nicht mehr. Zwischen Piemont und Lombardei melden inzwischen mehr als hundert Gemeinden Schwierigkeiten bei der Trinkwasserversorgung; in einigen Orten fahren Tanklastwagen. Die Region prüft, ob sie den Notstand ausruft. Bewässerungskonsortien und Wasserkraftbetreiber streiten seit Wochen darüber, wer wie viel aus den Speichern entnehmen darf.
Trockenheit und Hitze lassen die Brandgefahr steigen
Was die Dürre für die Wälder bedeutet, zeigt sich derzeit südlich von Rom. In Nettuno vernichtete ein Feuer rund 60 Hektar eines über hundert Jahre alten Pinienbestands im Schutzgebiet an der Via della Campana. Die Flammen brachen an mehreren Stellen gleichzeitig aus, wurden vom heißen Wind getrieben und ließen sich auch nach achtzehn Stunden nicht vollständig ersticken. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus.
Für die Einsatzkräfte ist der Sommer damit einer der arbeitsreichsten seit Jahren. Vegetation, die monatelang keinen nennenswerten Regen gesehen hat, brennt bei Temperaturen jenseits der 40 Grad nahezu von selbst weiter – ein einmal entzündetes Feuer breitet sich unter diesen Bedingungen um ein Vielfaches schneller aus. Meteorologen erwarten erst gegen Mitte des Monats eine spürbare Umstellung der Wetterlage. Bis dahin bleibt die Lage sowohl an den Flüssen als auch in den Küstenwäldern angespannt.



















