Andrea Pirlo übernimmt die Squadra Azzurra
Vier Jahre bis zur WM 2030, Roberto Baronio als Assistent – und eine Nations-League-Gruppe, die keine Fehler verzeiht
Rom – Die längste Trainersuche der jüngeren italienischen Fußballgeschichte ist beendet. Andrea Pirlo wird neuer Trainer der Nationalmannschaft. Die Einigung kam am Freitagvormittag zustande, nachdem Pep Guardiola in der Nacht zuvor endgültig abgesagt hatte. Der Katalane begründete seinen Verzicht mit persönlichen und familiären Gründen, nicht mit Geld oder sportlichen Vorstellungen. Zuvor hatte der Verband auch bei Carlo Ancelotti angefragt.
Pirlo unterschreibt für vier Jahre bis 2030 und damit über einen kompletten WM-Zyklus. Das Jahresgehalt liegt bei etwa 1,5 Millionen Euro zuzüglich Prämien – ein Bruchteil dessen, was ein Engagement Guardiolas gekostet hätte. Offen ist noch die Auflösung seines Vertrags beim Klub United FC in Dubai, der eigentlich bis Juni 2027 lief. Die formelle Bestätigung wird beim Verbandsrat am kommenden Dienstag erwartet. Als Assistent bringt Pirlo Roberto Baronio mit, einen Jugendfreund aus Brescia, der ihn schon bei Juventus, in Istanbul, in Genua und zuletzt in Dubai begleitet hat.
Die Personalie ist die logische Fortsetzung eines kompletten Umbaus. Nach dem Playoff-Aus gegen Bosnien und der dritten verpassten WM-Teilnahme in Folge trat im April die halbe Verbandsspitze zurück, darunter Gennaro Gattuso als Trainer. Seither führt Giovanni Malagò den Verband, Paolo Maldini ist seit dem 11. Juli technischer Direktor, Leonardo arbeitet als Berater. Maldini hat mehrfach von einem Projekt über acht bis zehn Jahre gesprochen, das bis in die Jugendjahrgänge hineinreicht – nach dem Vorbild Spaniens und Argentiniens. Wer diese Linie kennt, versteht die Wahl: Pirlo soll eine Generation formen, nicht ein Turnier retten. Über die Kandidatenfrage hatten wir zuletzt an dieser Stelle berichtet.
Das Risiko ist beträchtlich. Als Trainer hat der Weltmeister von 2006 bislang keinen Meistertitel gewonnen und wurde dreimal entlassen: 2021 bei Juventus nach Pokalsieg und Platz vier, 2023 bei Fatih Karagümrük, 2024 bei Sampdoria. In Dubai gelang ihm im Mai der Aufstieg in die höchste Liga der Emirate. Der frühere Nationalspieler Massimo Mauro nennt die Verpflichtung eine große Wette und hält dem Verband vor, sich mit dem monatelangen Werben um Guardiola selbst geschadet zu haben.
Viel Zeit zum Einarbeiten bleibt nicht. In der Nations League trifft Italien in der Gruppe eins der Liga A auf Frankreich, Belgien und die Türkei. Los geht es am 25. September gegen Belgien, im November folgt das Duell mit Frankreich im San Siro. Wer Vierter wird, steigt direkt in die Liga B ab – und die Abschlusstabelle entscheidet zugleich über die Lostöpfe für die EM-Qualifikation, die am 6. Dezember in Belfast ausgelost wird.




















