Sturmfluten fressen die Strände der Adria – mitten in der Hochsaison
Ravenna – Ein Strandbetreiber bei Marina Romea beschreibt es in einem Satz: An einem einzigen Tag habe das Meer zwei Reihen Sonnenschirme verschluckt. Von ursprünglich vier Reihen mit rund 120 Schirmen blieben nach der Sturmflut Ende Juli nur zwei übrig, das Wasser reichte bis an die Düne. Der Betreiber fordert feste Schutzbauten im Meer statt der jährlichen Sandaufspülungen – die Gewinnmargen seien auf ein Minimum geschrumpft.
Rund hundert Kilometer weiter südlich, in Fano in den Marken, haben die Strandbetreiber ein Ultimatum gestellt: Die immer wieder verschobenen Arbeiten an den Ufermauern müssten im September tatsächlich beginnen. Auch dort schrumpfen die bewirtschafteten Flächen. Ein Betrieb hat statt einer Front von rund 120 Metern nur noch fünf Reihen Schirme, ein anderer verteilt 190 Liegeplätze auf vier Reihen. Stellenweise hat das Wasser Sandstufen von einem halben Meter abgetragen.
Die Zahlen dahinter sind seit Jahren bekannt. Zwischen Comacchio und Ravenna weicht die Küstenlinie jährlich um zehn bis zwölf Meter zurück, rund 30 Prozent der romagnolischen Küste gelten als von Erosion betroffen, der jährliche Sandverlust wird auf etwa 600.000 Kubikmeter geschätzt. Der Meeresspiegel der Adria ist zwischen 1993 und 2023 um rund 30 Zentimeter gestiegen. Dazu kommt die Bodensenkung: natürlich drei bis vier Millimeter im Jahr, in Gebieten mit Methanförderung bis zu acht.
Die Gegenmaßnahmen werden teurer. Kostete das erste große Aufspülungsprojekt 2002 noch elf Millionen Euro für 800.000 Kubikmeter Sand, waren es 2023 bereits 23 Millionen für 1,3 Millionen Kubikmeter. Im April bewilligte die Region weitere 3,2 Millionen Euro für Notmaßnahmen – nur drei Jahre nach der letzten Großaktion. Ein Stadtplaner der Universität Ferrara warnt, die natürlichen Sandvorkommen seien nicht unendlich und in wenigen Jahrzehnten aufgebraucht.
Der Befund ist kein regionaler Sonderfall. Nach einer Erhebung des Umweltverbands Legambiente wurden zwischen 2010 und 2026 insgesamt 308 der 643 italienischen Küstengemeinden von extremen Wetterereignissen getroffen; die Zahl der Sturmereignisse hat in den vergangenen fünf Jahren stark zugenommen. Prognosen gehen davon aus, dass Italien bis 2050 bis zu ein Fünftel seiner Strandfläche verlieren könnte – besonders gefährdet sind die obere Adria, das Po-Delta und die Lagune von Venedig.




















