Cesenatico – Ein groß angelegter Ferienbetrug hat in Cesenatico an der Adria rund 90 Familien um ihren Sommerurlaub gebracht. Seit Samstag stehen immer wieder Reisende vor einer Adresse in der Via Giovanni Pascoli, an der es die gebuchte Ferienanlage schlicht nicht gibt. Im Erdgeschoss sitzt eine Versicherungsagentur, deren Mitarbeiter den Gestrandeten Wasser und Stühle anboten.
Das Inserat lief zunächst als „Residence Da Andrea“, später als „Residence Angelini“, und es war nur über ein großes Buchungsportal zu finden. Die Bilder stammten aus einer echten Immobilienanzeige, die nationale Registriernummer für Kurzzeitvermietungen war von einem anderen, legalen Betrieb kopiert – das Angebot wirkte dadurch ordnungsgemäß angemeldet. Bezahlt wurde außerhalb der Plattform, per Überweisung oder Prepaid-Karte, meist eine Anzahlung von 50 Prozent. Die Preise lagen in der Hochsaison um mehr als die Hälfte unter dem Ortsniveau, Bewertungen gab es keine.
Rund 50 dieser Familien mit zusammen über 120 Personen sind inzwischen in Hotels und auf Campingplätzen untergebracht, mehrere Betriebe stellten Zimmer und Mobilheime kostenlos zur Verfügung. Über 50 Anzeigen sind eingegangen, Carabinieri, Stadtpolizei und Postpolizei ermitteln. Bürgermeister Matteo Gozzoli hat Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet und will sich einem Verfahren als Nebenkläger anschließen. Er spricht von einer regelrechten Organisation, die bis ins Detail geplant habe, und wirft dem Portal fehlende Kontrollen vor.
Spur nach Litauen – und woran sich Ferienbetrug erkennen lässt
Am Telefon reagierten die Täter zynisch. Einer Geschädigten sagten sie, sie könne anzeigen, wen sie wolle, das Geld sei ohnehin längst in Litauen. Bestätigt ist dieser Weg nicht; nachweisbar sind bislang italienische Konten und Prepaid-Karten. Der Name des Kontoinhabers stammt nach bisherigem Stand aus einem Identitätsdiebstahl. Ein nahezu identischer Fall wurde aus Milano Marittima gemeldet.
Fachleute raten zu ein paar einfachen Prüfungen: auffällig niedrige Preise ernst nehmen, Unterkünfte ohne Bewertungen meiden, niemals außerhalb der Plattform überweisen und schon gar nicht auf Prepaid-Karten zahlen. Adresse und Fotos lassen sich per Rückwärtssuche und Kartendienst abgleichen. Wer mit Kreditkarte gezahlt hat, kann eine Rückbuchung beantragen. Für September liegen an der falschen Adresse in Cesenatico bereits weitere Buchungen vor.




















