Eine Messerattacke mitten im Zentrum Mailands beschäftigt die italienische Justiz: Ein 27-jähriger Algerier hat am späten Donnerstagnachmittag (9. Juli) im Zwischengeschoss der Metrostation Duomo einer 23-jährigen Marokkanerin das Gesicht aufgeschlitzt. Nach Angaben der Ermittler rief er zuvor: „Was hast du zu schauen? Ich bin Mann und Muslim.“ Der Mann wurde kurz nach der Tat festgenommen; die Staatsanwaltschaft hält ihn für gefährlich und hat Untersuchungshaft beantragt.
„Was schaust du?“ – wie die Attacke ablief
Laut der Aussage, die die junge Frau zu Protokoll gab, wartete sie gerade mit einer Freundin auf die Metro, als der Unbekannte sie unvermittelt auf Arabisch ansprach – in aggressivem Ton und mit den Worten „Was schaust du?“. Die 23-Jährige versuchte demnach, ihm auf Arabisch zu erklären, dass sie sich mit ihrer Freundin unterhalten habe und er ihren Blick wohl falsch gedeutet habe. Doch der 27-Jährige geriet außer sich und überzog die junge Frau mit üblen Beschimpfungen.
Als die 23-Jährige ihn aufforderte, sich zu entfernen, und damit drohte, die Polizei zu rufen, stürzte sich der Mann laut Ermittlungsunterlagen „ruckartig“ auf sie, spuckte ihr zweimal „als Zeichen der Verachtung“ ins Gesicht und schlug ihr mit der Faust auf den Mund. Während die Frau ihr Telefon greifen wollte, um die Einsatzkräfte zu alarmieren, ging der Angreifer mit einer Klinge in der Hand erneut auf sie los und traf sie im Gesicht – nicht weit vom Auge entfernt. „Er hat mich im Gesicht getroffen, ich habe viel Blut verloren und mir wurde schwindelig“, heißt es in ihrer Schilderung, die in der Haftanordnung zitiert wird.
Der Angreifer ließ die Waffe fallen und versuchte zu fliehen. Mehrere Passanten nahmen die Verfolgung auf; einer bekam ihn kurz zu fassen, doch der 27-Jährige riss sich los. Beamte stellten ihn schließlich, als er sich in einem Fitnessstudio versteckte – bei der Festnahme soll er um sich geschlagen und getreten haben.
„Ich dachte, ich sterbe“ – Opfer bleibt fürs Leben gezeichnet
„Ich dachte, ich sterbe. Ich konnte nichts mehr sehen, und das Blut hinderte mich am Atmen“ – mit diesen Worten schilderte die 23-Jährige die Momente nach dem Angriff. Rettungskräfte versorgten die junge Frau, die sich legal in Italien aufhält, noch vor Ort und brachten sie ins Krankenhaus. Die Ärzte attestierten Verletzungen mit einer Heilungsdauer von zehn Tagen – die Narbe im Gesicht aber wird nach Einschätzung des behandelnden Teams für immer bleiben. Die Ermittler sprechen von einem Hieb von „unerhörter Gewalt“, der die „Würde“ des Opfers verletzt habe.
Knife attack in Milan: 18-year-old critically injured
MAILAND – Die italienische Metropole Mailand wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag von einer Welle der Gewalt heimgesucht, bei der mindestens sechs junge Menschen bei drei separaten Vorfällen verletzt...
Erst Stunden zuvor aus dem Gewahrsam entlassen
Besonders brisant: Der 27-Jährige, der sich ohne gültige Aufenthaltspapiere in Italien aufhält, war erst in der Nacht zuvor festgenommen worden – wegen Diebstahls und der Beschädigung mehrerer geparkter Autos. Nach der richterlichen Bestätigung dieser Festnahme kam er wieder auf freien Fuß. Nur wenige Stunden später kam es zu der Attacke an der Station Duomo.
Welche Vorwürfe stehen im Raum?
Die Staatsanwaltschaft Mailand wirft dem 27-jährigen Mohammed Saidi mehrere Straftaten vor:
- Dauerhafte Entstellung des Gesichts – ein eigener Straftatbestand im italienischen Strafrecht,
- Bodily injury – für den Faustschlag ins Gesicht,
- Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte – für Schläge und Tritte bei der Festnahme.
Hinzu kommt der Verdacht auf Gewalt aus rassistischen und religiösen Motiven sowie der erschwerende Umstand der niederen Beweggründe. Nach ersten Erkenntnissen könnte die Staatsanwaltschaft zudem prüfen, ob der Straftatbestand des Hasses gegen eine Frau oder der rassistischen beziehungsweise religiösen Diskriminierung geltend gemacht wird. In ihrem Antrag auf Bestätigung der Festnahme und auf Untersuchungshaft verweist die Anklagebehörde auf Wiederholungs- und Fluchtgefahr: Der Mann sei gefährlich und könne erneut zuschlagen.
Parallel prüft die Antiterror-Einheit der Carabinieri-Spezialeinheit ROS in Mailand – auch mit Unterstützung von Interpol – in mehreren europäischen Ländern, ob der 27-Jährige Verbindungen in radikalisierte Kreise hat.





















