
Zwischen Palmen und Gletschern, zwischen Knödel und Pasta: Die acht Städte Südtirols heißen Bozen, Meran, Brixen, Bruneck, Sterzing, Glurns, Klausen und Leifers – und jede erzählt ihre eigene Geschichte. Von der quirligen Landeshauptstadt über die Belle-Époque-Kurstadt bis zum winzigen Mauerstädtchen mit 900 Einwohnern liegt hier alles nur wenige Bahnminuten auseinander.
In diesem Guide stellen wir dir alle acht Städte mit Stadtrecht ausführlich vor – mit den Top-Sehenswürdigkeiten, konkreten Zahlen und Tipps für deine Reise. Ein Ranking ist die Reihenfolge nicht: Wir starten in der Landeshauptstadt Bozen und reisen einmal quer durchs Land bis ins Etschtal. Zur Einordnung: Südtirol ist Italiens nördlichste Provinz, rund 530.000 Menschen leben zwischen Brenner und Salurner Klause – und nur acht Orte tragen offiziell den Titel Stadt.
Die 8 Städte Südtirols im Überblick
Bozen ist mit Abstand die größte Stadt, Glurns die kleinste – dazwischen liegen sechs Städte mit ganz eigenem Profil:
| Stadt | Einwohner | Bekannt für |
|---|---|---|
| Bozen | ca. 107.000 | Landeshauptstadt, Ötzi, Lauben |
| Meran | ca. 41.000 | Kurstadt, Gärten von Trauttmansdorff, Therme |
| Brixen | ca. 23.000 | Älteste Stadt, Dom, Kloster Neustift |
| Bruneck | ca. 17.000 | Pustertal, Kronplatz, Messner-Museen |
| Sterzing | ca. 7.000 | Nördlichste Stadt Italiens, Zwölferturm |
| Glurns | ca. 900 | Kleinste Stadt, komplett erhaltene Stadtmauer |
| Klausen | ca. 5.000 | Künstlerstadt, Kloster Säben, Törggelen |
| Leifers | ca. 18.000 | Jüngste Stadt, Apfelanbau, Radwege |

1. Bozen: Die Landeshauptstadt zwischen Weinbergen und Dolomitenblick
Auf dem Waltherplatz sitzt du im Straßencafé, um dich herum klingen Deutsch und Italienisch durcheinander, und über den Dächern leuchtet der Rosengarten: Bozen ist mit rund 107.000 Einwohnern die größte Stadt Südtirols und der Ort, an dem sich alpine und mediterrane Welt am deutlichsten mischen. Unter den mittelalterlichen Lauben reihen sich Geschäfte in jahrhundertealten Bürgerhäusern, auf dem Obstmarkt duftet es täglich nach Speck, Käse und frischem Obst.
Der berühmteste Bewohner der Stadt ist über 5.300 Jahre alt: Im Südtiroler Archäologiemuseum liegt die Gletschermumie Ötzi, der Mann aus dem Eis – für viele Besucher der Hauptgrund für einen Bozen-Besuch. Dazu kommen gleich mehrere Schlösser: Runkelstein mit dem größten profanen Freskenzyklus des Mittelalters, das Renaissanceschloss Maretsch in den Weinbergen und Schloss Sigmundskron, wo Reinhold Messner sein Messner Mountain Museum Firmian eingerichtet hat.

Modern wird es im Museion, dem Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, dessen Glasfassade abends spektakulär leuchtet. Und wenn dir der Trubel zu viel wird, bringen dich die Promenaden auf Guntschna und St. Oswald oder eine der Seilbahnen in wenigen Minuten hinauf in die Ruhe – etwa auf den Ritten oder nach Kohlern.
Das solltest du in Bozen nicht verpassen
- Waltherplatz und Lauben – Der Salon der Stadt mit Blick auf den gotischen Dom trägt den Namen des Minnesängers Walther von der Vogelweide, dessen Marmordenkmal in der Platzmitte steht. Ringsum füllen sich von früh bis spät die Caféterrassen – der klassische Ort für den ersten Cappuccino. Dahinter beginnt die mittelalterliche Laubengasse: schmale Fassaden, tiefe Innenhöfe und Geschäfte, in denen seit Jahrhunderten gehandelt wird – heute vom Traditionskaufhaus bis zur Weinbar.
- Obstmarkt – Der tägliche Markt (außer Sonntag) ist das kulinarische Herz Bozens: Speck, Schüttelbrot, Bergkäse und Südtiroler Äpfel – perfekt, um Proviant für den Tag zu sammeln. Gehandelt wird auf dem Platz seit dem Mittelalter; komm am besten vormittags, wenn das Angebot am größten ist. Rundherum locken Traditionslokale, in denen du die Einkäufe gleich mit einem Glas Vernatsch kombinierst.
- Südtiroler Archäologiemuseum – Hier liegt Ötzi, die weltberühmte Gletschermumie vom Similaun, samt Originalkleidung und Kupferbeil. Plane am besten gleich morgens ein Zeitfenster ein, der Andrang ist groß. Auf drei Etagen siehst du neben der Mumie selbst die Originalkleidung, das Kupferbeil und die Geschichte des Sensationsfunds vom Tisenjoch 1991 – Online-Tickets ersparen dir in der Hochsaison das Anstehen.
- Schloss Runkelstein – Die „Bilderburg“ über der Talfer beherbergt den größten erhaltenen profanen Freskenzyklus des Mittelalters – Ritterleben, Turniere und Tristan-Sage inklusive. Die Wandbilder aus der Zeit um 1400 zeigen höfisches Leben so lebendig wie kaum irgendwo sonst; vom Zentrum spazierst du entlang der Talferpromenade in rund 30 Minuten zur Burg.
- MMM Firmian auf Schloss Sigmundskron – Reinhold Messners zentrales Bergmuseum inszeniert die Beziehung von Mensch und Berg in einer eindrucksvollen Burgruine mit Panoramablick über das Etschtal. Der Rundgang führt über Stege und Treppen durch Türme und Säle voller Kunstwerke und Erinnerungsstücke aus Messners Sammlungen – plane gut zwei Stunden ein und kombiniere den Besuch mit einer Einkehr im Überetsch.
- Bozen im Advent – Der Bozner Christkindlmarkt auf dem Waltherplatz gehört zu den stimmungsvollsten Italiens und läuft von Ende November bis Anfang Januar. Dazu kommen Handwerksstände, Kinderkarussell und der Duft von Glühwein und gebrannten Mandeln – am stimmungsvollsten wird es nach Einbruch der Dunkelheit, wenn Dom und Fassaden angestrahlt sind.

2. Meran: Die Kurstadt mit Palmen und Belle-Époque-Flair
Palmen vor schneebedeckten Dreitausendern – dieses Bild gibt es nur in Meran. Die zweitgrößte Stadt Südtirols (rund 41.000 Einwohner) verdankt ihren Ruf dem außergewöhnlich milden Klima: Schon Kaiserin Elisabeth, die legendäre Sissi, kurte hier im 19. Jahrhundert und machte Meran zum Treffpunkt des europäischen Adels. Das Erbe dieser Zeit siehst du bis heute an den Jugendstilfassaden, am prachtvollen Kurhaus und an der eleganten Passerpromenade.
Das meistbesuchte Ziel liegt am Stadtrand: Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff breiten sich auf zwölf Hektar über einen Hang aus – rund 80 Gartenlandschaften von der Sukkulentenwüste bis zum Reisfeld, dazwischen Sissis einstige Kurresidenz mit dem Touriseum, dem Landesmuseum für Tourismusgeschichte. Zurück in der Stadt wartet mit der von Stararchitekt Matteo Thun gestalteten Therme Meran mit ihren 25 Pools und Saunawelten das perfekte Kontrastprogramm.

Zum Bummeln zieht es dich unter die rund 400 Meter langen Meraner Lauben und ins mittelalterliche Steinach-Viertel, den ältesten Teil der Stadt. Und wer Meran von oben sehen will, spaziert auf dem Tappeinerweg hoch über den Dächern – vorbei an Zypressen, Kakteen und immer neuen Ausblicken auf das Etschtal.
Das solltest du in Meran nicht verpassen
- Gärten von Schloss Trauttmansdorff – Zwölf Hektar, rund 80 Gartenwelten und Südtirols schönste Aussichtsplattform: Die botanischen Gärten sind von Frühjahr bis in den Spätherbst geöffnet, im Winter verzaubert die Lichtershow Lumagica das Gelände. Über den Hang verteilen sich Sukkulentenwüste, Reisterrassen und Sissis Garten, dazu Volieren, Seerosenteich und der frei schwebende Aussichtssteg von Matteo Thun – im Schloss erzählt das Touriseum unterhaltsam 250 Jahre Tourismusgeschichte. Plane einen halben Tag ein.
- Therme Meran – 25 Pools, Saunawelt und ein Thermenpark mitten in der Stadt, gestaltet von Matteo Thun – ideal nach einem Wandertag, an Regentagen und im Winter. Im Sommer badest du draußen im Thermenpark zwischen Liegewiesen und altem Baumbestand, im Winter hinter der großen Glasfassade mit Blick auf verschneite Gipfel; Handtücher und Bademäntel bekommst du im Verleih.
- Lauben und Steinach-Viertel – Unter den 400 Meter langen Arkaden reiht sich Geschäft an Geschäft, im Steinach-Viertel dahinter findest du das älteste, stimmungsvollste Eck der Stadt. Die Lauben verbinden seit dem 13. Jahrhundert Pfarrplatz und Kornplatz – mit Erkern, Durchhäusern und Innenhöfen; im Steinach-Viertel drängen sich die ältesten Häuser Merans um winzige Plätze, in denen die Zeit stehen geblieben scheint.
- Kurhaus und Passerpromenade – Das Jugendstil-Kurhaus ist das Wahrzeichen Merans; auf der Promenade entlang der Passer flanierst du wie die Kurgäste vor 120 Jahren. Im großen Kursaal des Jugendstil-Baus finden bis heute Konzerte und Bälle statt, und in der Wandelhalle an der Winterpromenade spazierst du an Gemälden Südtiroler Landschaften vorbei – gratis und wettergeschützt.
- Tappeinerweg – Der Panorama-Höhenweg über der Stadt gehört zu den schönsten Spazierwegen des Alpenraums: mediterrane Vegetation, Pulverturm und immer wieder Postkartenblicke. Der fast ebene Höhenweg zieht sich am Küchelberg über der Stadt entlang und ist mit über 400 teils exotischen Pflanzenarten gesäumt – einsteigen kannst du direkt aus der Altstadt oder von Dorf Tirol aus.
- Pferderennbahn Untermais – Die traditionsreiche Rennbahn ist Schauplatz der berühmten Haflinger-Galopprennen zu Ostern und des großen Meraner Renntags Ende September. Die Anlage von 1935 im Stadtteil Untermais gilt als eine der schönsten Pferderennbahnen Europas – das Haflinger-Galopprennen am Ostermontag ist Volksfest und Familientreffen zugleich.

3. Brixen: Die älteste Stadt Südtirols
Brixen wurde 901 erstmals urkundlich erwähnt und ist damit die älteste Stadt Südtirols – über 1.000 Jahre lang war sie Bischofssitz und geistliches Zentrum des Landes. Diese Geschichte spürst du auf Schritt und Tritt: Der barocke Dom mit seinem Kreuzgang, dessen gotische Fresken zu den bedeutendsten des Alpenraums zählen, die fürstbischöfliche Hofburg mit dem Diözesanmuseum und die verwinkelten Altstadtgassen bilden ein Ensemble, das seinesgleichen sucht.
Rund 23.000 Menschen leben heute in der Stadt im Eisacktal – und die versteht es, Geschichte mit Gegenwart zu verbinden: Beim Water Light Festival verwandeln Lichtkünstler jeden Mai Brunnen, Fassaden und Innenhöfe in Kunstwerke, und die Hofburg bespielt ihre barocken Säle regelmäßig mit moderner Kunst. Hausberg der Brixner ist die Plose, die im Sommer mit Panoramawegen und im Winter mit Skipisten lockt.

Ein Muss ist der Abstecher ins nahe Kloster Neustift: Das 1142 gegründete Augustiner-Chorherrenstift ist eines der größten Klöster des Alpenraums – mit prunkvoller Barockkirche, berühmter Bibliothek und einem Weingut, dessen Kerner und Sylvaner zu den besten des Eisacktals gehören.
Das solltest du in Brixen nicht verpassen
- Dom und Kreuzgang – Die barocke Bischofskirche beeindruckt mit Deckenfresken und Marmor, der eigentliche Schatz aber ist der gotische Kreuzgang mit seinen mittelalterlichen Fresken – ein „Bilderbuch“ des 14. und 15. Jahrhunderts. Nimm dir Zeit für die Details der ausgemalten Arkaden – von Bibelszenen bis zum Elefanten, den die Maler nur vom Hörensagen kannten; der Zugang zum Kreuzgang ist frei.
- Hofburg Brixen – Die Residenz der Fürstbischöfe zeigt im Diözesanmuseum sakrale Kunst und eine berühmte Krippensammlung – der Renaissance-Innenhof gehört zu den schönsten Südtirols. Sehenswert sind die Prunkräume der Fürstbischöfe und der Domschatz; die Krippensammlung mit Stücken aus drei Jahrhunderten macht die Hofburg gerade im Advent zu einem lohnenden Ziel.
- Altstadt mit Pharmaziemuseum – In den Gassen zwischen Großen und Kleinen Lauben versteckt sich ein Kuriosum: eine seit dem 17. Jahrhundert geführte Apotheke samt Museum. Auf zwei Etagen erzählt es 400 Jahre Heilkunst – von Kräuterschubladen und Pillendrehern bis zu kuriosen Wundermitteln vergangener Zeiten; klein, liebevoll und überraschend unterhaltsam.
- Kloster Neustift – Stiftskirche, Bibliothek, Wunderbrunnen und Weinkeller: Das Augustiner-Chorherrenstift vor den Toren der Stadt ist ein Gesamtkunstwerk – Verkostung im Stiftskeller einplanen. Bei den Führungen siehst du Bibliothek, Pinakothek und den achteckigen Wunderbrunnen im Stiftshof; vom Brixner Zentrum radelst du auf dem Radweg in rund 20 Minuten direkt zum Kloster.
- Plose – Brixens Hausberg bietet im Sommer den Panoramaweg mit Dolomitenblick von Peitlerkofel bis Geisler, im Winter ein familienfreundliches Skigebiet und eine der längsten Rodelbahnen Südtirols. Die Kabinenbahn startet im Ortsteil St. Andrä; oben führen der familienfreundliche WoodyWalk und der Panoramaweg mit Blick auf Peitlerkofel und Geislerspitzen gemütlich über die Almen.
- Water Light Festival – Jedes Frühjahr im Mai machen internationale Lichtkünstler Brixens Wasserorte zur nächtlichen Open-Air-Galerie – der Eintritt in die Innenstadt-Installationen ist frei. Rund drei Wochen lang leuchten dann Dom, Hofburg, Brunnen und versteckte Innenhöfe – am schönsten zwischen Einbruch der Dunkelheit und etwa 23 Uhr, wenn die Altstadt zur Open-Air-Galerie wird.

4. Bruneck: Das lebendige Herz des Pustertals
Wenn du durch die Brunecker Stadtgasse bummelst, verstehst du sofort, warum Bruneck als heimliche Hauptstadt des Pustertals gilt: Bunte Bürgerhäuser mit Erkern und schmiedeeisernen Wirtshausschildern, dazwischen Cafés, Boutiquen und Traditionsgeschäfte – die rund 17.000-Einwohner-Stadt wirkt gleichzeitig urban und gemütlich. Über allem thront das mittelalterliche Schloss Bruneck, in dem heute das Messner Mountain Museum Ripa den Bergvölkern der Welt gewidmet ist.
Der eigentliche Star aber ist der Hausberg: Der Kronplatz (2.275 m) ist nicht nur eines der beliebtesten Skigebiete Italiens, sondern auch ein Kulturgipfel. Auf dem Plateau stehen gleich zwei außergewöhnliche Museen – das von Stararchitektin Zaha Hadid spektakulär in den Fels gebaute MMM Corones zum traditionellen Alpinismus und das Lumen, das auf 1.800 Quadratmetern die Geschichte der Bergfotografie erzählt.

Bruneck ist außerdem der perfekte Ausgangspunkt für das östliche Südtirol: Der smaragdgrüne Pragser Wildsee, das Wanderparadies der Dolomiten und die Drei Zinnen liegen alle in Tagesausflug-Distanz.
Das solltest du in Bruneck nicht verpassen
- Stadtgasse – Die Flaniermeile zwischen den alten Stadttoren gilt als eine der schönsten Einkaufsstraßen des Alpenraums – am schönsten am späten Nachmittag, wenn die Sonne die bunten Fassaden bescheint. Zwischen Ober- und Unterragentor reihen sich Bürgerhäuser aus fünf Jahrhunderten, dazwischen Cafés, Konditoreien und Läden mit Südtiroler Spezialitäten – perfekt für ein Mitbringsel aus dem Pustertal.
- Schloss Bruneck mit MMM Ripa – Im Bischofsschloss über der Stadt erzählt Reinhold Messner vom Alltag der Bergvölker aus Asien, Afrika, Südamerika und Europa – samt Jurten und Bergbauernstuben. Für das Museum ließ Messner Originalbehausungen aus dem Himalaya, aus Afrika und den Anden im Schlosshof aufbauen; vom Stadtzentrum führt ein schattiger Fußweg in rund 15 Minuten hinauf.
- Kronplatz mit MMM Corones und Lumen – Mit der Seilbahn ab Bruneck-Reischach schwebst du auf 2.275 Meter zu Zaha Hadids Museums-Ikone und dem Fotografie-Museum Lumen – dazu 360-Grad-Blick von den Zillertaler Alpen bis zu den Dolomiten. Oben umrundest du den flachen Gipfel bequem auf dem Panoramaweg, mittags läutet die große Friedensglocke Concordia 2000 – und im Winter gehört der Berg mit über 100 Pistenkilometern zu den Top-Skigebieten Italiens.
- Ausflug zum Pragser Wildsee – Die „Perle der Dolomitenseen“ liegt nur rund 30 Autominuten entfernt – früh am Morgen kommen, dann hast du das türkisgrüne Wasser fast für dich. Von Juli bis Mitte September ist die Zufahrt tagsüber reglementiert – reserviere online einen Parkplatz oder nimm den Bus ab Niederdorf; die Runde um den See dauert gemütliche eineinhalb Stunden.
- Christkindlmarkt Bruneck – Im Advent verwandelt sich die Gegend um den Tschurtschenthaler Park in einen der stimmungsvollsten Weihnachtsmärkte Südtirols. Er gehört zu den fünf Original Südtiroler Christkindlmärkten und setzt auf Handwerk und Produkte aus dem Pustertal – ideal kombinierbar mit einem Ski- oder Rodeltag am Kronplatz.

5. Sterzing: Die nördlichste Stadt Italiens
Nur 15 Kilometer südlich des Brenners liegt Sterzing – die nördlichste Stadt Italiens und mit rund 7.000 Einwohnern ein Musterbeispiel dafür, wie viel Charme in eine kleine Stadt passt. Die Fuggerstadt verdankte ihren Reichtum im Mittelalter dem Silber- und Bleibergbau am Schneeberg: Noch heute säumen prächtige Bürgerhäuser mit Erkern, Zinnen und Lauben die Alt- und Neustadt.
Wahrzeichen ist der Zwölferturm von 1472: 46 Meter hoch trennt er die beiden Hälften der Fußgängerzone und läutete einst um zwölf Uhr die Mittagspause der Bergleute ein. Gleich daneben zeigt das gotische Rathaus mit seiner holzgetäfelten Ratsstube, wie wohlhabend Sterzing um 1500 war, und im Multscher-Museum bewundern Kunstfreunde die erhaltenen Tafeln des berühmten spätgotischen Altars von Hans Multscher.

Hoch hinaus geht es mit der Rosskopf-Seilbahn direkt vom Stadtrand: oben warten Almwiesen, Wanderwege und im Winter Italiens längste beleuchtete Rodelbahn. Und im Advent gehört die Sterzinger Glockenweihnacht zu den schönsten Weihnachtsmärkten Südtirols.
Das solltest du in Sterzing nicht verpassen
- Alt- und Neustadt – Die kompakte Fußgängerzone mit ihren Laubengängen, Erkern und pastellfarbenen Fassaden gehört zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtbildern der Alpen. Zwischen den Erkerhäusern verstecken sich Innenhöfe und Durchgänge; am schönsten ist der Bummel am frühen Abend, wenn die Tagesgäste abgereist sind und die Laternen angehen.
- Zwölferturm – Der 46 Meter hohe Torturm von 1472 ist das Wahrzeichen der Stadt und das beliebteste Fotomotiv – am schönsten in der blauen Stunde, wenn die Gassen beleuchtet sind. Einst läutete seine Glocke um zwölf Uhr die Mittagspause der Bergknappen ein – daher der Name; nach einem Brand bekam der Turm 1867 sein markantes Treppengiebeldach.
- Multscher-Museum und Rathaus – Die Tafeln des spätgotischen Multscher-Altars von 1459 und die gotische Ratsstube erzählen von Sterzings goldenem Zeitalter als Bergbaustadt. Die Altartafeln entstanden 1456 bis 1459 in der Ulmer Werkstatt Hans Multschers und zählen zu den Hauptwerken der Spätgotik; die holzgetäfelte Ratsstube nebenan wird bis heute für Sitzungen genutzt.
- Rosskopf – Sterzings Hausberg ist in wenigen Minuten mit der Seilbahn erreichbar: im Sommer Panoramawanderungen, im Winter Skipisten und die zehn Kilometer lange beleuchtete Rodelbahn. Die Seilbahn startet nur wenige Gehminuten vom Zentrum entfernt – oben warten Almwiesen, gemütliche Hütten und der weite Blick über das Wipptal bis zu den Stubaier Alpen.
- Sterzinger Glockenweihnacht – Der Weihnachtsmarkt unter dem Zwölferturm verbindet Handwerk, Chöre und Wipptaler Spezialitäten – klein, fein und herrlich unkommerziell. Auf dem Stadtplatz unter dem Zwölferturm dreht sich alles um das Thema Glocken; auch dieser Markt gehört zu den fünf Original Südtiroler Christkindlmärkten und lässt sich prima mit einem Bummel durch die beleuchtete Altstadt verbinden.

6. Glurns: Die kleinste Stadt Südtirols
Rund 900 Einwohner, drei Stadttore, eine komplett erhaltene Stadtmauer: Glurns im Vinschgau ist die kleinste Stadt Südtirols und eine der kleinsten Städte des gesamten Alpenraums – und gerade deshalb ein Juwel. Innerhalb des Mauerrings aus dem 16. Jahrhundert scheint die Zeit stillzustehen: Du bummelst durch die Laubengasse, steigst auf den begehbaren Wehrgang und stehst nach wenigen Minuten schon wieder auf Wiesen vor der Stadt.
Dass das Städtchen so vollständig erhalten blieb, verdankt es paradoxerweise seiner wechselvollen Geschichte: Nach der Zerstörung in der Calvenschlacht 1499 wurde Glurns planmäßig wieder aufgebaut und danach nie mehr wesentlich verändert. Berühmtester Sohn der Stadt ist der Zeichner und Karikaturist Paul Flora (1922–2009), dem in seinem Geburtsort ein eigenes kleines Museum gewidmet ist.

Glurns liegt zudem perfekt für Entdeckungen im Obervinschgau: Das Benediktinerkloster Marienberg – mit 1.340 Metern die höchstgelegene Abtei Europas – ist ebenso schnell erreicht wie der Reschensee mit seinem versunkenen Kirchturm, und die Radroute der Via Claudia Augusta führt direkt an der Stadtmauer vorbei.
Das solltest du in Glurns nicht verpassen
- Stadtmauer-Rundgang – Der komplett erhaltene Mauerring mit drei Tortürmen und begehbarem Wehrgang ist einzigartig im Alpenraum – einmal außen herum und einmal oben entlang, mehr braucht es nicht für das Glurns-Gefühl. Errichtet wurde der Ring nach der Calvenschlacht unter Kaiser Maximilian I.; vom Wehrgang blickst du über Dächer, Gemüsegärten und die Vinschger Bergwelt.
- Laubengasse und Stadtplatz – Unter den niedrigen Lauben reihen sich Handwerksläden und Cafés; auf dem Platz finden seit Jahrhunderten Märkte statt – der Sealamorkt im Herbst ist der bekannteste. Typisch für Glurns sind außerdem die alten Palabirnbäume: Der süßen Vinschger Birne widmet das Städtchen Ende August eigene Festwochen mit Verkostungen und Menüs in den Gasthäusern.
- Paul-Flora-Museum – Das kleine Museum würdigt den in Glurns geborenen Meister des feinen Federstrichs, dessen Karikaturen jahrzehntelang in der ZEIT erschienen. Flora wurde 1922 in Glurns geboren und liegt hier auch begraben; das kleine Museum zeigt Originalzeichnungen, Dokumente und Fotografien aus seinem Leben.
- Kloster Marienberg – Die weiß leuchtende Benediktinerabtei über dem Tal ist die höchstgelegene Europas; in der Krypta warten romanische Fresken von seltener Qualität. Das Klostermuseum „ora et labora“ gibt Einblick in 900 Jahre Benediktinerleben; von Glurns bist du in rund zehn Autominuten dort, Wanderer nehmen den alten Weg ab Burgeis.
- Radtour auf der Via Claudia Augusta – Die alte Römerstraße ist heute einer der schönsten Radwege der Alpen – Glurns ist die perfekte Etappenstation zwischen Reschenpass und Meran. Von hier rollst du fast durchgehend bergab durch Obstwiesen Richtung Meran; zurück bringt dich die Vinschgerbahn ab Mals bequem mitsamt Rad.

7. Klausen: Das Künstlerstädtchen unter dem Kloster Säben
Schon Albrecht Dürer war hier: Der Nürnberger Meister verewigte Klausen um 1500 im Hintergrund seines berühmten Kupferstichs „Das große Glück“ – und noch heute sieht die Stadt fast genauso aus. Eine einzige lange Gasse zwängt sich zwischen Eisack und Felsen, gesäumt von schmalen Bürgerhäusern mit Erkern und Wirtshausschildern. Um 1900 zog das Licht des Eisacktals ganze Künstlerkolonien an – der Ruf als Künstlerstädtchen ist geblieben.
Über allem thront auf einem mächtigen Felsen das Kloster Säben, die „Akropolis Tirols“: Bereits in der Spätantike stand hier ein Bischofssitz, bevor dieser um das Jahr 1000 nach Brixen verlegt wurde – bis vor wenigen Jahren lebten Benediktinerinnen hinter den Klostermauern. Der Aufstieg über den Kreuzweg dauert eine gute halbe Stunde und belohnt mit Tiefblicken auf die Dächer von Klausen und die Weinberge des Eisacktals.

Im Herbst spielt Klausen seine stärkste Saison: Dann führt der Keschtnweg durch goldene Kastanienhaine rund um die Stadt, und in den Buschenschänken wird beim Törggelen junger Wein mit Schlutzkrapfen, Surfleisch und gebratenen Kastanien aufgetischt.
Das solltest du in Klausen nicht verpassen
- Altstadtgasse – Die lange, schmale Gasse zwischen Oberstadt und Unterstadt gehört zu den stimmungsvollsten Südtirols – Klausen zählt nicht umsonst zu den „schönsten Dörfern Italiens“. Viele Häuser tragen Erker, Zunftschilder und Fresken; abends taucht die Beleuchtung die enge Gasse in warmes Licht – der beste Moment für Fotos und für einen Absacker in einer der alten Gaststuben.
- Kloster Säben – Der Aufstieg zur „Akropolis Tirols“ über den alten Kreuzweg ist ein kleines Pilgererlebnis; Heilig-Kreuz-Kirche und Liebfrauenkirche sind tagsüber zugänglich. Oben erwarten dich stille Innenhöfe und Tiefblicke auf Stadt und Weinberge; nach dem Auszug der Benediktinerinnen kümmert sich heute eine Stiftung um den heiligen Berg.
- Stadtmuseum mit Loretoschatz – Der aus Spanien stammende Loretoschatz mit Gemälden und Goldschmiedearbeiten des 16. und 17. Jahrhunderts ist ein überraschend großer Schatz für ein so kleines Städtchen. Zu verdanken ist er Pater Gabriel Pontifeser aus Klausen, dem Beichtvater der spanischen Königin – so gelangten Meisterwerke spanischer Hofkunst ausgerechnet ins Eisacktal.
- Schloss Branzoll – Der wehrhafte Ansitz aus dem 13. Jahrhundert wacht malerisch über dem Südende der Stadt und ist das Lieblingsmotiv der Maler von einst wie der Fotografen von heute. Die Burg ist in Privatbesitz und nur von außen zu besichtigen – die beste Perspektive hast du vom gegenüberliegenden Eisackufer oder vom Kreuzweg hinauf nach Säben.
- Törggelen und Keschtnweg – Im Oktober und November ist Klausen das Herz der Törggele-Saison: Kastanienwanderung auf dem Keschtnweg, danach Buschenschank – geselliger wird Südtirol nirgends. Rund um Klausen liegen einige der traditionsreichsten Buschenschänken des Landes; reserviere im Oktober und November unbedingt vorab, die Stuben sind schnell voll.

8. Leifers: Die jüngste Stadt Südtirols
Leifers ist der Gegenentwurf zu den mittelalterlichen Städtchen dieser Liste – und gerade deshalb spannend: Erst 1985 zur Stadt erhoben, ist die rund 18.000-Einwohner-Gemeinde südlich von Bozen die jüngste Stadt Südtirols. Statt Stadtmauern prägen hier Apfelwiesen das Bild: Leifers liegt mitten im Etschtal, einem der größten zusammenhängenden Obstanbaugebiete Europas, und zur Apfelblüte im April verwandelt sich das Tal in ein weißes Blütenmeer.
Die Stärke der Stadt ist ihre Lage: Bozen ist nur acht Kilometer entfernt – mit dem Rad bist du auf dem Etschtal-Radweg in einer guten halben Stunde in der Landeshauptstadt. Auf der anderen Talseite locken das Überetsch mit Eppan und Kaltern samt Kalterer See, und hinter Leifers steigen die Wälder des Regglbergs auf, wo Wanderwege zum Aussichtspunkt Peterköfele mit seiner kleinen Kapelle führen.

Wer das echte Südtiroler Alltagsleben abseits der Touristenpfade erleben will, ist in Leifers richtig: italienisch geprägte Bar-Kultur, Wochenmarkt und Feste wie das traditionelle Peterköfele-Kirchtagsfest inklusive.
Das solltest du in Leifers nicht verpassen
- Peterköfele – Der Felskopf über der Stadt mit seiner kleinen Kapelle ist das Wahrzeichen von Leifers: Der kurze, knackige Aufstieg belohnt mit einem weiten Blick über das Etschtal. Der Weg startet nahe dem Ortszentrum und ist in einer guten Stunde hin und zurück machbar – zum traditionellen Kirchtagsfest pilgert halb Leifers hinauf.
- Apfelblüte im Frühjahr – Ende März bis April blühen rund um Leifers Millionen Apfelbäume – die schönste Zeit für eine Radtour durch die Obstwiesen. Das Etschtal zwischen Bozen und Salurn gehört zu den größten zusammenhängenden Apfelanbaugebieten Europas – die Radwege führen mitten durch das weiße Blütenmeer, Fotostopps inklusive.
- Etschtal-Radweg – Ob nach Bozen im Norden oder Richtung Salurn im Süden: Das flache, bestens ausgebaute Radwegenetz macht Leifers zum idealen Basislager für Genussradler. Nach Bozen rollst du in einer guten halben Stunde, Richtung Süden erreichst du über Auer und Neumarkt die Südtiroler Weinstraße – plane eine Einkehr in einem der Weindörfer ein.
- Ausflug ins Überetsch – Kalterer See, Weindörfer und die Montiggler Seen liegen auf der gegenüberliegenden Talseite – perfekt für einen Bade- und Weintag. Der Kalterer See zählt zu den wärmsten Badeseen der Alpen, die Montiggler Seen liegen versteckt im Wald – mit dem Auto bist du in rund 20 Minuten drüben.
- Wandern am Regglberg – Über Leifers steigen ruhige Waldwege Richtung Deutschnofen und zum Hochplateau auf – hier bist du auch im Hochsommer fast allein unterwegs. Die Waldwege beginnen direkt oberhalb der Stadt und steigen Richtung Deutschnofen auf – unterwegs öffnen sich immer wieder Lichtungen mit Blick auf die Dolomiten, Einkehrmöglichkeiten inklusive.
Welche der acht Städte passt zu dir?
Für Kultur und Städtefeeling führt kein Weg an Bozen vorbei, Genießer und Wellnessfans sind in Meran richtig, Geschichtsliebhaber in Brixen und Sterzing, Bergfexe in Bruneck. Glurns und Klausen sind die Ziele für Romantiker – und Leifers zeigt dir das unaufgeregte Alltags-Südtirol. Das Beste: Von Sterzing im Norden bis Leifers im Süden sind es kaum 100 Kilometer, fast alle Städte liegen an der Bahnlinie. In vier bis fünf Tagen erlebst du sie alle. Noch mehr Inspiration für das Land zwischen Brenner und Salurn findest du in unserem Südtirol Travel Guide.













