Ossana – Anlässlich des 80. Jahrestags der Konstituierenden Versammlung und des ersten Frauenwahlrechts in Italien haben Vertreter aus Politik und Institutionen am Freitag in Ossana über die Gleichstellung der Geschlechter debattiert. Die Tagung unter dem Titel „Unvollendete Demokratie“ fand im Gedenken an das zivile und politische Wirken der aus dem Ort stammenden Maria De Unterrichter statt.
Wie das Pressebüro des Landes mitteilte, stand die Rolle der Frauen in den Institutionen sowie in der Wirtschaft im Mittelpunkt der Gespräche. Achille Spinelli, Vizepräsident der Autonomen Provinz Trient, erklärte, dass die Förderung der weiblichen Präsenz am Arbeitsmarkt positive Auswirkungen auf Familien, die Geburtenrate und die allgemeine Entwicklung des Territoriums habe. Zwar seien im Trentino bereits Fortschritte erzielt worden, doch gebe es weiterhin Raum für Verbesserungen bei der Repräsentanz und im Unternehmertum.
Laut Spinelli müsse die Familienpolitik so ausgerichtet werden, dass Frauen ihren Alltag und ihr Berufsleben besser koordinieren könnten. Das Land habe bereits daran gearbeitet, die Unterschiede bei Mutterschaftsregelungen zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor zu verringern. Zudem seien die Möglichkeiten für Väter erweitert worden, Elternzeit in Anspruch zu nehmen. Dies solle Vätern eine größere Rolle bei der Familienpflege ermöglichen und Müttern mehr Freiheit geben, früher an den Arbeitsplatz zurückzukehren oder dort zu verbleiben. Es handle sich um eine Entscheidung der Vernunft, die der wirtschaftlichen Entwicklung zugutekomme.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion lag auf den Kosten für Kinderkrippen. Der Vizepräsident betonte, dass niedrigere Gebühren die Inanspruchnahme öffentlicher Dienste fördern sollten. Die Kinderkrippe dürfe nicht als Hindernis für die Entscheidung für Kinder wahrgenommen werden. Auch die Unterstützung für Sommerbetreuungsangebote solle nach einer Pilotphase im Jahr 2026 ab dem Jahr 2027 wieder verstärkt finanziert werden, um Eltern in der schulfreien Zeit zu entlasten.
An der Diskussion nahmen neben Bürgermeisterin Laura Marinelli auch die Vizepräsidentin des Trentiner Landtags, Maria Chiara Franzoia, sowie Vertreter der Universität Trient und weitere politische Mandatare teil. Die Initiative in Ossana ist Teil eines Projekts zur Würdigung von Maria De Unterrichter. Die 1902 geborene Tochter eines österreichischen Offiziers war eine der wenigen Frauen in der Konstituierenden Versammlung und gilt als Wegbereiterin für die Teilhabe von Frauen am öffentlichen Leben.





















