Genau zwei Jahre sind vergangen, seit Südtirol seinen Klimaplan 2040 verabschiedet hat – eine Roadmap für ein klimaneutrales Land. Doch die Bilanz, die der Dachverband für Natur- und Umweltschutz und der Heimatpflegeverband Südtirol ziehen, ist ernüchternd: Der Weg zur Klimaneutralität ist zwar abgesteckt, aber die Umsetzung stockt.
Ein Kernproblem ist die verzögerte Erfassung von CO₂-Emissionsdaten. Es ist unklar, ob die Emissionen seit 2023 überhaupt gesunken sind, da offizielle Zahlen für die Jahre 2024 bis 2026 erst 2027 vorliegen werden. Diese späte Datenlage erschwert das Monitoring und verhindert laut den Verbänden notwendige Kurskorrekturen.
Rückschläge und fehlender politischer Wille
Diesen Sommer gab es gleich zwei Rückschläge: Südtirolgas und Selgas legten Rekurs gegen die Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien in Gebäuden ein, was die Wärmewende behindert. Gleichzeitig wurde im EU-Parlament ein Schnellverfahren zur Aktualisierung des EU-Klimagesetzes blockiert.
Die Verbände kritisieren zudem, dass viele Südtiroler Gemeinden durch ihre Beteiligungen an Südtirolgas einen Rückschritt bei der Abkehr von fossiler Energie darstellen. Auch die Zustimmung des Südtiroler EU-Vertreters zur Verzögerung der EU-Klimaziele sowie die Annahme von lediglich 54 der 609 Vorschläge des Bürgerrats zum Klimaplan zeigen aus Sicht der Organisationen einen mangelnden politischen Willen.
Forderungen nach mehr Tempo und Verbindlichkeit
Für den Dachverband, den Heimatpflegeverband Südtirol und Climate Action South Tyrol ist klar: Klimaneutralität bis 2040 ist machbar, aber nur mit mehr Tempo, einer klaren Strategie und konsequenter Umsetzung. Der Klimaplan sei ein notwendiges, aber verbesserungswürdiges Instrument. Es fehle an Verbindlichkeit, Maßnahmen seien vage, Zuständigkeiten unklar und Fortschritte schwer messbar.
Roland Plank vom Dachverband bedauert, dass die Bewertung der Vorschläge des Klimabürgerrats noch aussteht. Theresa Kurz von „Climate Action Südtirol” kritisiert die Blockade der Wärmewende durch die Rekurse von Südtirolgas und Selgas.
Die Verbände erkennen jedoch an, dass die Landesregierung grundsätzlich am Ziel festhält. Doch bei zunehmendem Gegenwind brauche es Entschlossenheit. Thomas Benedikter vom Heimatpflegeverband fordert daher klare Signale, verbindliche Klimaziele, ein Landesklimagesetz mit klaren Regeln und mehr Engagement aller politischen Vertreter:innen, um den EU-Klimaverpflichtungen nachzukommen.
Der Weg zum Klimaland ist richtig. Die Umwelt- und Heimatverbände betonen jedoch, dass er nur gelingen kann, wenn alle Akteure – Gemeinden, Land, Staat und EU – gemeinsam an einem Strang ziehen.




















