Auer – Die Südtiroler Landesregierung traf sich am 5. Mai zu einer Sondersitzung in der Fachoberschule für Landwirtschaft in Auer. Im Fokus stand die Stärkung des Zivilschutzes und die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit, insbesondere im Bereich Hochwasserschutz. Landeshauptmann Arno Kompatscher und die Präsidenten der Bezirksgemeinschaften sowie Bürgermeister der Region Überetsch-Unterland diskutierten dringende Maßnahmen zur Sicherung der Bevölkerung vor Naturgefahren.
Diese Zusammenkunft, die vierte ihrer Art zur Halbzeit der Legislaturperiode 2024-2028, bot eine einzigartige Plattform für den direkten Austausch. Hansjörg Zelger, Präsident der Bezirksgemeinschaft Überetsch Unterland, zeigte sich äußerst zufrieden: „Es war eine einmalige Chance, direkt ins Gespräch zu kommen. Wir sind tief in die gewünschten Themen eingestiegen und haben konkrete Lösungsansätze erhalten.“ Ein zentrales Anliegen war der Hochwasserschutz. Aktuelle Gefahrenzonenpläne und Risikoanalysen zeigen, dass im Etschtal und Unterland, speziell in den Bezirksgemeinschaften Burggrafenamt und Überetsch-Unterland, rund 23.500 Menschen in potenziellen Überflutungszonen leben. Hinzu kommen wichtige Infrastrukturen und Verkehrsachsen, die bei einem Hochwasserereignis massiv bedroht wären.
Landeshauptmann Arno Kompatscher, der auch für den Bevölkerungsschutz zuständig ist, betonte die Dringlichkeit: „In Zeiten zunehmender Extremereignisse ist es besonders wichtig, vorausschauend zu handeln und die Bevölkerung umfassend zu informieren. Prävention und schnelle Reaktionsfähigkeit sind entscheidend, um Schaden zu minimieren und die Sicherheit aller zu gewährleisten.“ Er erinnerte an die Initiative „Hochwasserschutz Südtirol“, die bereits im Herbst 2023 in Zusammenarbeit mit den Gemeinden ins Leben gerufen wurde. Die Agentur für Bevölkerungsschutz arbeitet seitdem an Studien und vertiefenden Analysen, um effektive Lösungen zu erarbeiten. Bauliche Schutzmaßnahmen zur Hochwasserretention an Eisack, Rienz und Etsch werden bereits umgesetzt, um das Unterland zu entlasten, doch solche Projekte erfordern Zeit.
Gemeindeübergreifende Evakuierungsplanung als Schlüssel
Während die Gemeinden bereits über eigene Zivilschutzpläne für Überflutungen verfügen, fehlte bisher eine umfassende gemeindeübergreifende Organisation für das allgemeine Krisenmanagement. Die Initiative „Evakuierungsplanung Hochwasser Etschtal“ wurde daher als dringend eingestuft. In den kommenden Wochen soll ein externes Unternehmen beauftragt werden, das bis Ende 2027 eine detaillierte, gemeindeübergreifende Evakuierungsplanung für den Hochwasserfall erstellt. Dies umfasst die Ausarbeitung von Dokumentationen und Einsatzkarten, die umfassende Information der Bevölkerung sowie die Planung, Betreuung und Auswertung einer groß angelegten Evakuierungsübung. Alle beteiligten Gemeinden, Zivilschutzorganisationen, Landesämter und Behörden werden aktiv in diese Planungs- und Übungsaktivitäten eingebunden, um eine maximale Effizienz und Koordination zu gewährleisten.
Die Landesregierung unterstreicht mit diesen Schritten ihr entschlossenes Engagement für die Sicherheit der Bevölkerung. Durch die Kombination aus baulichem Hochwasserschutz und einer präzisen, gemeindeübergreifenden Evakuierungsplanung wird Südtirol besser auf zukünftige Extremereignisse vorbereitet sein. Die enge Zusammenarbeit zwischen Land, Bezirksgemeinschaften und Gemeinden bildet dabei das Fundament für einen robusten und reaktionsfähigen Bevölkerungsschutz.




















