Am vergangenen Samstag, dem 19. Juli, gedachte der Südtiroler Heimatbund (SHB) im Pfossental im Schnalstal des Hirten Johann Spechtenhauser, der am 21. Juli 1942 im Alter von 72 Jahren von einem 18-jährigen faschistischen Grenzmilizionär feige erschossen wurde. Am Marterl, das Spechtenhauser gewidmet ist, legte der SHB einen Kranz nieder und erinnerte an das tragische Schicksal des Mannes, der wie viele andere dem faschistischen Terror zum Opfer fiel.
Neben SHB-Obmann Roland Lang nahmen auch Mitglieder der Schützenkompanie Naturns, Journalisten, Buchautoren sowie interessierte Bürger an der Gedenkfeier teil. Der Bürgermeister der Gemeinde Schnals, Peter Grüner, entschuldigte sich aufgrund anderer Verpflichtungen, schickte jedoch ein aufrüttelndes Grußwort.

Mahnende Worte gegen das Vergessen
In seiner Verlesung des Grußwortes betonte Roland Lang die Wichtigkeit des Gedenkens: „Wir gedenken nicht nur Johann Spechtenhauser, sondern aller Opfer des Faschismus, der seine Zerstörungslust schon vor achtzig Jahren über unsere Heimat brachte. Unter dem Deckmantel falscher Ideale wurden Familien auseinandergerissen, Freunde getötet und Träume zerstört.“ Bürgermeister Grüner mahnte zur Wachsamkeit: „Jeder von uns trägt die Verantwortung, wachsam zu bleiben – in Schulen, auf Straßen, in Gesprächen – und jedwede Form von Extremismus entschieden zurückzuweisen. Möge dieses Mahnmal mahnen und gleichzeitig Zuversicht schenken: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg, nie wieder feiger Mord.“

Die Rekonstruktion eines feigen Verbrechens
In seiner Gedenkansprache rekonstruierte der Heimatforscher und Buchautor Günter Rauch die Ereignisse vom 21. Juli 1942: Johann Spechtenhauser, ein 72-jähriger und schwerhöriger Schafhirte, war früh morgens auf dem Weg zu seinen weidenden Schafen, als er von zwei Schüssen getroffen wurde. Laut Recherchen, die unter anderem auf den Aufzeichnungen von Pfarrer Rudolf Baur basieren, wurde Spechtenhauser von einem Artilleriegeschoss des jungen faschistischen „Grenzlers” tödlich verletzt. Ein Jagdaufseher, der die Schüsse gehört hatte, fand den sterbenden Hirten und konfrontierte den Milizionär.
Pfarrer Johannes Dietl, der damalige Pfarrer von Schnals, widersetzte sich den Vertuschungsversuchen der faschistischen Repressionstruppen. Er trug im Sterberegister der Pfarre Unser Frau in Schnals den Vermerk ein: „Johann Spechtenhauser wurde von einem 18-jährigen Grenzmilizler ohne Grund erschossen.“ Dies war ein mutiger Akt und ein wichtiger dokumentarischer Beweis. Obwohl das Sterbebild die Todesumstände vorsichtig verschleiert, bleibt die Wahrheit dank Dietls Eintrag erhalten.
Günter Rauch schloss seine Rede mit der eindringlichen Warnung: „Ein Staat, der die Verbrechen des faschistischen Regimes und seiner Erben in Südtirol unbestraft lässt und Unrecht nicht beseitigt, ist anfällig für einen neuen Totalitarismus.“
Der SHB wies zudem auf die Broschüre „Ungesühntes Verbrechen am Schnalser Weber Hans” von Günther Rauch hin. Sie enthält weitere Details zu den Ereignissen und ist beim Heimatbund erhältlich.





















